KW 09 / 2008: Epidemiologische Informationen

Bilharziose im JemenIm Jemen sind rund 3 Millionen Menschen mit Schistosoma haematobium oder Schistosoma mansoni infiziert. Rund 600.000 Infizierte zeigen chronische Folgen der Infektion. Für Mitte März des Jahres ist ein Bilhaziose-Eradikationstag angekündigt, an dem das Bewusstsein für die Erkrankung erweckt oder gestärkt werden soll. Die Schistosomiasis kann in allen stehenden Gewässern übertragen werden. Dort halten sich die Zerkarien auf und können durch die Haut in den Körper eindringen. Reisende in den Jemen sollten daher jeden direkten Hautkontakt mit stehendem Wasser vermeiden (ProMED, 26. Februar 2008).
Milzbrand in der MongoleiIn der mongolischen Distrikt Altanbulgag in der Provinz Selenge im Norden des Landes sind 4 Schafe am Milzbrand verstorben. Daraufhin wurde um den Ausbruchsort eine Quarantäne ausgesprochen. Weiterhin wurden die im Distrikt lebenden Schafe im Rahmen einer Impfkampagne gegen Milzbrand geimpft. Weiterhin wurden auch die Familienmitglieder der beiden Herdenbesitzer gegen Milzbrand geimpft. Milzbrand kommt in der Mongolei in weiten Teilen endemisch vor. Innerhalb der Jahre 2005 bis 2007 wurden 100 menschliche Erkrankungsfälle bekannt. Reisende in die Mongolei sollten jeden direkten Kontakt mit kranken Tieren oder mit Tierkadavern vermeiden. Fleisch sollte grundsätzlich nur in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 26. Februar 2008).
Dengue Fieber in der KaribikAuf den karibischen Inseln St. Martin und St. Barthelemy werden weiterhin Dengue-Fieber-Erkrankungen diagnostiziert. Auf St. Barthelemy sind seit Beginn des Ausbruchs mehr als 340 Menschen erkrankt, davon mindestens 4 mit hämorrhagischen Verlaufsformen. Auf St. Martin sind seit Beginn des Ausbruchs im November mehr als 1.500 Menschen erkrankt. Mittlerweile nimmt die Zahl der Neuerkrankungen ab. Allerdings werden immer noch Neuerkrankungen gemeldet. Als Erreger konnten die Dengue-Virus-Serotypen 1, 2 und 4. reisende auf die genannten und diesen benachbarte Karibikinseln sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophyalxe durchführen (ProMED, 26. Februar 2008).
Dengue-Fieber in PalauAuf der zur Inselgruppe der Mariannen gehörenden Insel Palau werden ansteigende Zahlen von Neuerkrankungen an Dengue-Fieber diagnostiziert. Allein in den ersten zwei Wochen des Februar waren es 16 neue Erkrankungsfälle. Die Bewohner der Insel wurden daher aufgefordert, Maßnahmen zum Stechmücken-Expositionsschutz durchzuführen, um die aktuell hohen Stechmücken-Populationen zu reduzieren und auch den Kontakt mit Stechmücken zu vermindern. Reisende nach Palau und auf die benachbarten Inseln der Mariannen-Gruppe sollten die Maßnahmen der individuellen Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 26. Februar 2008).
Dengue-Fieber auf Ost-TimorAufgrund der hohen Stechmücken-Populationen werden ansteigende Zahlen von Dengue-Fieber-Neuerkrankungen diagnostiziert. Seit Jahresbeginn wurden allein bei australischen Fremdarbeitern in Ost-Timor 20 Dengue-Fieber-Erkrankungen gezählt. Gesundheitsexperten glauben, dass dies nur die Spitze des Eisbergs darstellt und dass die Zahl der tatsächlich auftretenden Dengue-Fälle auf Ost-Timor um ein Vielfaches höher sein dürfte. Der überwiegende Teil der Infektionen scheint vom Serotyp 4 verursacht zu sein, doch zirkuliert mindestens ein weiterer Serotyp, Dengue-Virus-Typ 1. Reisende nach Ost-Timor oder die benachbarten Inseln sollten die Empfehlungen der individuellen Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 26. Februar 2008).
Dengue-Fieber in MalaysiaIn der 2. Februarwoche wurde in fast allen Provinzen Malaysias ein deutlicher Anstieg der Dengue-Fieber-Neuerkrankungen zu verzeichnen. Allein im Zeitraum von 10. bis 16. Februar wurden rund 900 Erkrankungsfälle gemeldet, darunter 2 Todesfälle. Gegen eine Reihe von Grundbesitzern wurden Geldstrafen verhängt, da auf ihren Grundstücken Brutplätze von Aedes-Stechmücken entdeckt wurden. Reisende in die verschiedenen Teile Malaysias sollten eine Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 26. Februar 2008).
Schraubenwurm-Infektionen im JemenIm Dezember 2007 wurden im Jemen erstmalig eine Ektoparasiten-Infektionen mit einer Fliege, Chrysomyia bezziana diagnostiziert. Seither sind mindestens 8 Menschen und mehr als 1.500 Tiere an der Infektion mit Fliegenlarven erkrankt. Die Erkrankung wurde zuerst in der Provinz Saada beobachtet, an der Grenze zu Saudi-Arabien. Seither breitet sie sich weiter aus. Die Fliegen legen ihre Eier in den Nasenlöchern oder in Wunden ab. Die sich entwickelnden Fliegenlarven führen zu Gewebe-Zerstörungen. Die Therapie der Infektion ist schwierig und kostspielig. Das Land kann sich insbesondere die Behandlung der betroffenen Tiere nicht leisten. Reisende in den Jemen sollten Maßnahmen zum Schutz vor einer Exposition mit Fliegen ergreifen. Bei Gewebe-zerstörenden Prozessen nach Aufenthalten im Jemen sollte auch die Infektion mit Fliegenlarven abgeklärt werden (ProMED, 22. Februar 2008).
Tollwut in RusslandIn der Altai-Region Sibiriens, in der Region von Chelyabinsk (Süd-Russland) und in der Provinz Kaluga (südlich von Moskau) wird eine erhöhte Tollwut-Aktivität beobachtet. Im Altai wurde aufgrund der Situation bei Rindern in zwei Ortschaften der Notstand ausgerufen. Bei mehreren hundert Personen musste in der letzten Zeit eine Post-Expositionsprophyalxe durchgeführt werden. In Chelyabinsk erkrankte eine Frau nach einem Biss durch einen Fuchs an der Tollwut. In der Provinz Kaluga sind mindestens 24 Tiere an Tollwut verendet, darunter eine Kuh und ein Hirsch. Damit wurden in den ersten 6 Wochen des Jahres schon mehr Tollwut-kranke Tiere registriert als im gesamten Vorjahr 2007. Es handelt sich vornehmlich um die silvatische Form der Übertragung. Reisende nach Russland sollten jeden Kontakt mit unbekannten Tieren vermeiden und nach Schleimhaut- oder Haut-verletzenden Bisswunden einen Arzt aufsuchen (ProMED, 25. Februar 2008).
Tollwut in der UkraineIn der Ukraine ist ein 10jähriges Mädchen an Tollwut verstorben. Die Infektion erfolgte im Donezk-Becken. Als Infektionsquelle konnte eine streunende Katze identifiziert werden. Die Tollwut ist auch in großen Teilen der Ukraine endemisch vorkommend. Üblicherweise erfolgt die Infektion durch Wildtiere. Das Tollwut-Virus kann jedoch auf streunende Haustiere (Hunde, Katzen) übertragen werden und es kann dann ein urbaner Übertragungszyklus zustande kommen. Reisend in die Ukraine, wie auch in andere Länder der ehemaligen Sowjetunion, sollten jeden direkten Kontakt mit Wildtieren oder sich auffällig verhaltenden, streunenden Tieren vermeiden. Im Falle einer die Haut oder Schleimhaut verletzenden Kontakts durch entsprechende Tiere sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 25. Februar 2008).
Meningokokken-Meningitis in AfrikaIm sog. Meningokokken-Gürtel in Afrika südlich der Sahara sind in diesem Jahr bisher rund 2.300 Erkrankungen und 324 Todesfälle registriert worden. Dies bedeutet eine Reduktion der Erkrankungs- und Todesfälle im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahrs von jeweils rund 20%. Erhöhte Aktivität wird bisher insbesondere in Burkina Faso, in der Zentralafrikanischen Republik und in der Demokratischen Republik Kongo beobachtet. In Kamerun und im Tschad wurden bisher keine Erkrankungsfälle gemeldet, in den übrigen Ländern des Gürtels werden sporadisch Fälle bekannt, ohne dass bisher der epidemische Schwellenwert erreicht wird. Reisende in die genannte Region sollten einen Impfschutz gegen Meningokokken (tetravalenter Impfstoff) besitzen (ProMED; 25. Februar 2008).
Viszerale Leishmaniose in IndienIm indischen Bundesstaat Assam haben die Gesundheitsbehörden eine Warnung ausgegeben, nachdem in diesem Jahr 7 Personen an viszeraler Leishmaniose erkrankt sind. Diese Form der Leishmaniose wurde bisher als in Assam als beinahe ausgerottet angesehen. Die Erreger der Leishmaniose werden durch Sandmücken übertragen. Diese haben eine hauptsächliche Nachtaktivität. Betroffene haben die Infektion in der Region Chandrapur in der Umgebung der Stadt Guwahati erworben. Reisende nach Assam und insbesondere in die genannte Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor Sandmücken ergreifen (Expositionsprophylaxe) (ProMED, 23. Februar 2008).
Trichinose in Russland.In der russischen Region von Krasnodar am Schwarzen Meer sind innerhalb weniger Tage 3 Personen an Trichinose erkrankt. Nach Angaben der Veterinärbehörden treten in der Region immer wieder entsprechende Erkrankungsfälle auf. Die Infektionen erfolgen meist durch inoffiziellen Straßenverkauf von nicht kontrolliertem Fleisch. Reisende in die genannte Region und generell in die ländlichen Bereiche Russlands sollten daher Fleisch aus Straßenverkäufen generell meiden. Fleisch sollte nur in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 23. Februar 2008).
Masern in ChinaAllein im Januar dieses Jahres sind mehr als 4.300 Menschen in der chinesischen autonomen Provinz Xinjiang Uygur an Masern erkrankt, 10 Patienten sind an der Infektion verstorben. Im Vergleich zum Dezember 2007 hat sich damit die Zahl der Erkrankungen fast vervierfacht. Es wurde nicht mitgeteilt, ob die Masern in erster Linie in ungeimpften Kindern oder bei Erwachsenen auftraten. Reisende nach China sollten über einen ausreichenden Immunschutz gegen Masern verfügen (ProMED, 22. Februar 2008).
Masern in Südwest-DeutschlandAus Baden-Württemberg wird eine erhöhte Zahl von Masern-Kranken gemeldet. In den ersten 7 Wochen des Jahres wurden schon 16 Erkrankungsfälle registriert im Vergleich zu 3 Fällen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Betroffen sind bisher nur ungeimpfte Personen. Als eigentliche Infektionsquelle werden Kontakte mit Schweizern genannt. In einigen Kantonen der Schweiz wird aktuell eine hohe Masern-Aktivität beobachtet. Grundsätzlich sollten alle Personen in der deutschen Bevölkerung einen Immunschutz gegen Masern besitzen. Besonders sollte bei Kontakten in die Schweiz augenblicklich darauf geachtet werden (ProMED, 22. Februar 2008).
Murray Valley Enzephalitis in AustralienIm australischen New South Wales wurde bei Routine-Stechmücken-Kontrolluntersuchungen Murray Valley Enzephalitis Virus isoliert. Dieses Virus ist Erreger der gleichnamigen, schwer verlaufenden Enzephalitis. Die Behörden haben daraufhin eine allgemeine Warnung ausgegeben, sich vor Gebieten mit hohen Stechmücken-Populationen fernzuhalten und Maßnahmen zum Schutz vor einer Exposition durchzuführen. Bisher wurden keine menschlichen Erkrankungsfälle beobachtet. Die Maßnahmen sind als reine Vorsichtsmaßnahmen zu werten. Reisende nach New South Wales sollten die von den australischen Gesundheitsbehörden gegebenen Empfehlungen befolgen (ProMED, 27. Februar 2008).
Hantavirus-Infektionen in BrasilienIm brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso sind in diesem Jahr schon 3 Personen am Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom erkrankt. Einer der Patienten ist verstorben. Es ist von mindestens zwei zirkulierenden Hantaviren die Rede, Laguna Negra, (Überträger Calomys callosus) und Castlio dos Sonhos Virus (Überträger Oligoryzomys moojeni). Im letzten Jahr waren im Bundesstaat Mato Grosse 25 bestätitgte Erkrankungsfälle aufgetreten. Mato Grosso zählt damit neben Parana, Minas Gerais, Sao Paulo, Santa Catarina und Rio Grande do Sul zu den Bundesstaaten mit der höchsten Zahl von Erkrankungen. Reisende in die genannten Regionen sollten Maßnahmen zum Schutz vor direkten Kontakten mit Nagern oder deren Exkrementen treffen (ProMED, 23. Februar 2008).
Natriumnitrit-Vergiftung in ChinaIn der südchinesischen Stadt Shenzhen sind 63 Mitarbeiter einer Firma an einer Vergiftung mit Natriumnitrit erkrankt. 61 der Patienten sind in stabilem Zustand, während 2 Personen an der Vergiftung verstorben sind. Natriumnitrit hat das gleiche Aussehen wie Kochsalz. Es kommt immer wieder zu Verwechslungen. Die Arbeiter aßen alle in einem Restaurant, das billig Mittagessen anbot, für den geringen Hygienestandard jedoch bekannt war. Reisende nach China sollten billige Restaurants möglichst meiden, da hier neben entsprechenden Vergiftungsmöglichkeiten auch gastrointestinale Infektionen übertragen werden können (ProMED, 25. Februar 2008).
Hepatitis C-Übertragung in US-KlinikIn einem Endoskopiezentrum in Las Vegas, im US-Bundesstaat Nevada wurde bei mehreren Patienten eine Hepatitis C-Infektion entdeckt. Weitergehende Untersuchungen brachten an den Tag, dass in dieser Klinik Injektionsnadeln und systemische Anästhetika mehrmals bei Patienten benutzt wurden. Dadurch kam es vermutlich zur Übertragung von Hepatitis C und möglicherweise weiteren iatrogen übertragenen Infektionen. Die Praxis der mehrfachen Verwendung von Injektionsnadeln wurde über mehrere Jahre durchgeführt. Reisende nach Las Vegas, die sich im Lauf des Aufenthalts in diesem Endoskopiezentrum haben untersuchen lassen, sollten einen Arzt aufsuchen, um sich auf Hepatitis C und ggf. weitere Infektionen testen zu lassen (ProMED, 28. Februar 2008).
Gelbfieber in BrasilienIm Verlauf der aktuell erhöhten Gelbfieber-Aktivität in Teilen Brasiliens, Paraguays und Argentiniens sind in Brasilien bisher 33 Personen am Gelbfieber erkrankt. Davon waren 17 tödlich verlaufen. Der überwiegende Teil der Erkrankten (30/33 Erkrankten) war nicht gegen Gelbfieber geimpft. Nach den offiziellen Informationen waren 3 der Erkrankten geimpfte Personen, deren Impfung jedoch mehr als 10 Jahre zurück lag. Diese Erkrankungsfälle zeigen, dass die Gelbfieber-Impfung alle 10 Jahre durchgeführt werden sollte (und nach den offiziellen Bestimmungen auch durchgeführt werden muss), auch wenn bei den meisten Geimpften über eine deutlich längere Zeit Antikörper nachweisbar sind (ProMED, 29. Februar 2008).