KW 08 / 2008: Epidemiologische Informationen

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Tollwut in Indonesien
Auf der indonesischen Insel Flores sind in den letzten Tagen 2 Menschen an der Tollwut verstorben. Rund 40 Menschen sind innerhalb weniger Wochen von tollwutverdächtigen oder tollwütigen Tieren gebissen worden. Als Überträger auf der Insel fungieren ausschließlich Hunde. Es handelt sich damit um den urbanen Übertragungstyp der Tollwut. Bis 1998 galt die Bali benachbarte Insel als tollwutfrei. Dann trat eine erste große Epidemie auf. Seither ist die gesamte Insel Tollwut-endemisches Gebiet. Auf der Insel gibt es eine hohe Hunde-Population, da Hunde dort auch an Festtagen als Braten verzehrt werden. Reisende auf Flores sollten bei jedem die Haut penetrierenden oder Schleimhaut kontaminierenden Wunden durch Hunde sofort einen Arzt aufsuchen. Bei Aktivitäten mit einem erhöhten Risiko eines Kontakt mit Hunden sollte vor Reiseantritt eine präexpositionelle Tollwut-Impfung durchgeführt werden (ProMED, 16. Februar 2008).

Dengue Fieber in Bolivien
Die bolivianischen Gesundheitsbehörden haben eine Warnung ausgegeben, nachdem seit Jahresbeginn mehr als 100 Menschen am Dengue Fieber erkrankt sind und in der letzten Woche ein 19jähriger Mann am Dengue Hämorrhagischen Fieber verstorben ist. Die Behörden vermuten einen weiteren Anstieg der Aktivität, da die Regenfälle und Überschwemmungen hohe Mückenpopulationen zur Folge haben. Betroffen sind insbesondere die nordwestlichen und nordöstlichen Regionen Tiefland-Regionen des Landes. Reisende in diese Regionen sollten ganztägig Maßnahmen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 19. Februar 2008).

Dengue Fieber in Java, Indonesien
In der Provinz Zentral-Java sind seit Januar 2008 mehr als 2.300 Menschen am Dengue Fieber erkrankt und mindestens 37 Menschen an der hämorrhagischen Manifestationsform der Infektion verstorben. Die Dengue Virus-Aktivität wird als hoch eingeschätzt. Eine deutlich erhöhte Dengue Virus-Aktivität wird auch von der Insel Sulawesi berichtet. Reisende in die gesamte indonesische Inselwelt sollten die Maßnahmen der Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 19. Februar 2008).

Dengue Fieber auf den Philippinen
Auf der philippinischen Insel Cebu sind seit Jahresbeginn mehr als 300 Menschen am Dengue Fieber erkrankt. Dies bedeutet fast eine Vervierfachung der Erkrankungszahlen gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres 2007 (83 Erkrankungsfälle). Bisher sind in diesem Jahr 7 Patienten verstorben. Die höchste Zahl von Erkrankungen wird in den beiden Städten Toledo und Talisey beobachtet. Reisenden auf die Philippinen wird empfohlen, die Empfehlungen der individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe zu befolgen (ProMED; 19. Februar 2008).

Masern in Kenia
In mehreren Flüchtlings-Camps in Kenia sind die Masern ausgebrochen. Bisher wird insbesondere in Camps und in Slums mit Flüchtlingen in und um Kenia von Erkrankungsfällen berichtet. Die Situation und das Ausmaß der Ausbrüche sind bisher aufgrund der politischen und sozialen Situation unklar. Die Masern-Impfung ist eine allgemein empfohlene Impfung. Jeder in Deutschland sollte über einen Immunschutz verfügen. Reisende nach Kenia sollten die Möglichkeit der reisemedizinischen Beratung nutzen, um u.a. auch den Immunstatus gegen Masern zu überprüfen und ggf. zu vervollständigen (ProMED, 19. Februar 2008).

Cholera im Jemen
Ende des Jahres 2007 ist im Gouvernat Hajjah im Jemen die Cholera ausgebrochen. Betroffen ist insbesondere der Distrikt Bani Qais im genannten Gouvernat. Bisher sind mindestens 40 Menschen verstorben. Als Infektionsquelle der wird kontaminiertes Trinkwasser genannt. Das genaue Ausmaß der Epidemie ist unklar, da die jemenitischen Behörden aufgrund von Befürchtungen für den Tourismus mit der Veröffentlichung von Daten zur Situation zurückhaltend sind. Reisende in das genannte Gouvernat sollten die Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene befolgen (ProMED, 19. Februar 2008).

Cholera in Kenia
Im Nordosten des ostafrikanischen Landes ist im Januar die Cholera ausgebrochen. Bisher ist von mindestens 130 Erkrankungsfällen und von 6, nach anderen Quellen 8 Todesfällen die Rede. Die Erkrankung scheint sich auszubreiten. Es wurden erste Erkrankungsfälle in rund 175 km Entfernung vom ursprünglichen Hotspot des Ausbruchs beobachtet. Als ein Grund für die geographische Verbreitung werden die sehr laschen Grenzkontrollen zu Äthiopien und Somalia genannt, wodurch immer wieder Erkrankte oder Ausscheider einwandern. Reisende in die genannten Regionen Kenias sollten die Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene befolgen (ProMED, 19. Februar 2008).

Malaria auf dem Dominikanischen Republik

Eine Kanadierin ist nach einem zweiwöchigen Urlaubsaufenthalt auf der Dominikanischen Republik nach ihrer Rückkehr in Montreal an Malaria tropica erkrankt. Die Patientin hielt sich ausschließlich in Punta Cana im Osten des Inselstaats auf. Von dieser Region wurden auch früher schon sporadisch Malaria-Erkrankungen bei Urlaubern diagnostiziert. Anscheinend ist immer noch eine endemische Zirkulation des Erregers in der dortigen Bevölkerung vorhanden, die zu vereinzelten Erkrankungsfällen auch bei Urlaubern führt. Über Erkrankungsfälle in der dortigen Bevölkerung werden keine Angaben gemacht. Reisende nach Punta Cana sollten in jedem Fall eine Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen. Bei Aktivitäten mit erhöhtem Expositionsrisiko für Stechmücken sollte ggf. individuell eine Chemoprophylaxe durchgeführt werden (ProMED; 19. Februar 2008).

Hand-Fuß-Mund-Krankheit in Taiwan
In Taiwan sind im Jahr 2008 schon 14 Fälle von Hand-Fuß-Mund-Krankheit aufgetreten. Darunter entwickelte mindestens ein Patient auch eine neurologische Symptomatik (Krämpfe an den Extremitäten). Als Erreger konnte Enterovirus Serotyp 71 identifiziert werden. Enteroviren werden über direkten oder indirekten Kontakt (Kontaktinfektion) weiter verbreitet. Betroffen sind insbesondere Kinder. Reisende nach Taiwan sollten die Maßnahmen der persönlichen Hygiene befolgen und insbesondere nach Kontakten mit Gegenständen, die häufig angefasst werden (Türklinken, Geländer usw.) eine Händedesinfektion durchführen (ProMED, 21. Februar 2008).

Leishmaniose im Irak
Im Irak wird ein Anstieg der Erkrankungsfälle an Leishmaniose beobachtet. Insbesondere in der südlichen Provinz Qadiiyah breitet sich die Erkrankung stark aus. Von den aktuell rund 275 diagnostizierten Erkrankungsfällen werden rund 210 Fälle der kutanen Form und rund 70 Fälle der viszeralen Form der Erkrankung zugeschrieben. Während die kutane Leishmaniose üblicherweise gutartig verläuft (Ausnahme Verunstaltungen durch Narbenbildung im Gesicht), nimmt die viszerale Form unbehandelt einen praktisch immer tödlichen Verlauf. Die Übertragung erfolgt durch Sandmücken. Das Reservoir der Erreger wird u.a. in Hunden oder in Wildnagern (Gerbile) gesehen. Aktuell stellt der Irak kein Reisegebiet dar. Reisende im Rahmen von Entwicklungsprojekten sollten eine Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 20. Februar 2008).

Cryptokokkose in Kanada
Der Pilz Cryptococcus gattii (ehemals Cryptococcus neoformans) breitet sich im Westen Kanadas aus. Der Erreger von Pneumonien und Meningitiden breitete sich seit etwa dem Jahr 2000 von Vancouver Island ausgehend auch auf das Festland aus. Betroffen sind aktuell insbesondere das Gebiet von Groß-Vancouver und das Tal des Fraser River. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurde 2007 die höchste Zahl von Erkrankten seit Beginn des Ausbruchs registriert. Die Übertragung der Infektion erfolgt durch kontaminierten Staub und Erde, die durch Wind aufgewirbelt und als Aerosol übertragen werden. Reisende aus der Region um Vancouver und insbesondere aus Vancouver Island mit Symptomen einer Pneumonie oder Meningitis (insbesondere bei Immunsuppression) sollten auf Kryptokokkose untersucht werden (ProMED, 21. Februar 2008).

Botulismus in Russland
Aus der russischen Autonomen Region Khanty-Mansi in der Sibirischen Tiefebene wird ein Botulismus-Ausbruch gemeldet. Betroffen sind bisher mindestens 14 Personen. Ein Patient ist mittlerweile verstorben. Als Infektionsquelle konnten Tomatenkonserven identifiziert werden, die die betroffene Familie selbst eingemacht hatte. Die Konserve wurde zu einem Familienfest verzehrt, zu dem Verwandte eingeladen worden waren. Das Beispiel zeigt neben einigen anderen in der letzten Zeit, dass von selbst eingemachten Konserven ein nicht unbedeutendes Risiko für das Entstehen eines Botulismus ausgehen, deshalb sollten entsprechende Konserven möglichst vermieden werden (ProMED, 15. Februar 2008).



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