KW 07 / 2010: Epidemiologische Informationen

Q-Fieber in den NiederlandenIn den Niederlanden breitet sich das Q-Fieber weiter auf Ziegenfarmen aus. Auf weiteren drei Farmen in Hilvarenbeek, Esch und Liessehave wurde der Erreger bei Ziegen nachgewiesen. Insgesamt sind damit mehr als 5.000 Ziegen auf den drei Farmen betroffen, womit die Gesamtzahl der betroffenen Farmen auf 71 steigt. Insgesamt wurden bereits rund 40.000 trächtige Ziegen auf den betroffenen Farmen gekeult. Weiterhin wurde der Erreger zum zweiten Mal bei einer Schaffarm in Kraggenburg im Süden der Niederlande nachgewiesen. Es handelt sich um die zweite Schaffarm, auf der in diesem Jahr Q-Fieber entdeckt wurde. Insgesamt wurden im aktuellen Jahr schon 11 neue Erkrankungsfälle diagnostiziert.
Reisende in die Niederlande sollten daher jeden Kontakt mit Ziegen und auch jede Nähe zu Ziegenfarmen möglichst vermeiden (ProMED, 14./17. Februar 2010).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in ChileIm Territorium Bio-Bio Cordillera sind seit Jahresbeginn bereits vier Patienten an einer Infektion mit Hantaviren erkrankt. Drei der Patienten sind verstorben. Ein fünfter Verdachtsfall wird aktuell bestätigt. Der Gouverneur des Territoriums hat nun die Bevölkerung zu Ruhe aufgerufen. Das Auftreten von Hantavirus Kardiopulmonalem Syndrom in der genannten Region in den Anden Chiles ist nicht ungewöhnlich, insbesondere in der aktuellen El Nino Oszillationsperiode. Es handelt sich vermutlich um Andes-Virus. Reisende in die Andenregionen Chiles oder Argentiniens sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen vermeiden. Nager-infestierte Gebäude sollten erst nach gutem Durchlüften betreten werden. Es sollte niemals trocken, sondern nass gewischt werden (ProMED, 14. Februar 2010).
Tollwut in den USADie Tollwut bleibt weiterhin ein Thema in verschiedenen Teilen der USA. Im Barton County im US-Bundesstaat Kansas musste an acht Personen eine Tollwut-Postexpositionsprophylaxe verabreicht werden, nachdem diese von einem tollwütigen Hund angegriffen und verletzt worden waren. Der Hund hatte drei Wochen vorher mit einem vermutlich tollwütigen Stinktier gekämpft und sich dort mit Tollwut infiziert. Im vergangenen Jahr waren in Kansas 78 tollwütige Tiere diagnostiziert worden, darunter der überwiegende Teil Stinktiere, gefolgt von Fledermäusen, Hunden und Katzen. Die Behörden erinnern alle Haustierbesitzer, dass die Tollwutimpfung der Haustiere eine wichtige Maßnahme zum Schutz von Tier und Mensch vor der Virusinfektion darstellt. Reisende mit direktem Kontakt zu Haus- oder Wildtieren mit auffälligem aggressiven Verhalten sollten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 14. Februar 2010).
Nahrungsmittelinfektion in DänemarkIn Dänemark sind Mitte Januar mindestens 11 Ausbrüche von Gastroenteritis mit insgesamt mindestens 260 erkrankten Patienten registriert worden. Als Erreger konnten Noroviren und enterotoxische Escherichia coli (ETEC) identifiziert werden. Als Infektionsquelle wurde in epidemiologischen Untersuchungen Salat der Sorte Lollo Bionda identifiziert, der aus Frankreich importiert worden war. Aus anderen europäischen Ländern wurde bisher keine entsprechend extrem erhöhte Gastroenteritis-Rate gemeldet. Reisende aus Dänemark mit Gastroenteritis sollten auf ETEC und Noroviren untersucht werden. Bis zur weiteren Abklärung ist beim Verzehr von Lollo Bionda-Salat aus Frankreich Vorsicht geboten (ProMED, 12. Februar 2010).
Chikungunya- und Dengue-Fieber in IndienIm indischen Bundesstaat Tamil Nadu grassiert seit Oktober 2009 ein Fieber mit unklarer Ursache. Obwohl Chikungunya-Fieber vermutet wurde, fielen viele Erkrankungsfälle durch atypische Verläufe auf. Mittlerweile konnten Virologen nun die Ursache klären. Es handelt sich um eine Epidemie aus Chikungunya-Virus und Dengue-Virus. Beide Viren werden von den gleichen Mückenarten (Aedes aegypti, Aedes albopictus) auf den Menschen übertragen. Beide Infektionen können sich mit einer ähnlichen Klinik manifestieren, so dass eine Unterscheidung aufgrund der Klinik nicht immer möglich ist. Auch aktuell zirkulieren die beiden Viren und verursachen dort Erkrankungen. Reisende nach Tamil Nadu sollten eine individuelle ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 13. Februar 2010).
Masern in SüdafrikaDie Masern breiten sich weiter in Südafrika aus. In der Western Cape Provinz stiegen die Erkrankungszahlen in den letzten Wochen dramatisch an. In der Western Cape Provinz sind nun rund 450 Erkrankungsfälle, in der Provinz Gauteng rund 4.350 Fälle, in Kwazulu-Natal mehr als 630 Fälle, in der Nordwest-Provinz 560 Fälle, in der Ost-Provinz mehr als 300 Fälle diagnostiziert. Mindestens drei Todesfälle an Masern sind bisher in Südafrika aufgetreten. Insgesamt ist weiterhin eine ansteigende Tendenz in der Zahl der Neuerkrankungen zu erkennen. Reisende nach Südafrika sollten unbedingt eine Immunität gegen Masern aufweisen (ProMED; 13. Februar 2010).
Masern in den USAIm Pima County im US-Bundesstaat Arizona ist ein Fall von Masern aufgetreten. Der Erkrankungsfall wurde bei einem einjährigen Kleinkind diagnostiziert, das aus einem nicht näher genannten Land stammt und von Bewohnern des Pima County adoptiert worden war. Es handelt sich um die ersten Masern-Fälle in Pima County seit 2008, als im Rahmen eines
Ausbruchs 13 Menschen erkrankten. Die Gesundheitsbehörden haben nun alle Bewohner von Pima County informiert und gebeten ihren Impfstatus zu überprüfen. Sie gehen momentan nicht von einer weiteren Ausbreitung der Virusinfektion aus, da das Kleinkind keinen Kontakt zu anderen Personen außer seiner Familie hatte. Grundsätzlich sollten all Personen in Deutschland gegen Masern geimpft sein. Die reisemedizinische Vorbereitung bietet eine gute Gelegenheit um einen Masernschutz zu überprüfen (ProMED, 13. Februar 2010).
Dengue-Fieber in KolumbienIn Kolumbien wurde an alle privaten und staatlichen Krankhäuser die Stufe 1 ("grün") des nationalen Dengue-Alarm-Plans ausgerufen. Damit müssen alle Krankenhäuser Betten für Patienten mit Dengue-Fieber vorhalten. In Kolumbien sind seit Jahresbeginn bereits mehr als 11.000 Fälle von Dengue-Fieber diagnostiziert worden, nach Angaben des Gesundheitsministeriums davon rund 10.000 schwer verlaufend ohne Angabe der Verlaufsform. Bisher wurden bereits 30 Todesfälle in Zusammenhang mit Dengue-Fieber gezählt. Betroffen sind insbesondere die Provinzen Valle de Cauca (Südwesten), Santander (Nordosten), Norte de Santander (Nordosten), Huila (Südwesten, Cundinamarca (Zentrum) und Risaralda (Zentrum). Reisende in Regionen Kolumbien in einer Meereshöhe unter 1.800 Meter und insbesondere in die genannten Provinzen sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. Februar 2010).
Dengue-Fieber in BolivienBolivien meldet die ersten beiden Todesfälle in diesem Jahr durch Dengue-Fieber. Es handelt sich um zwei Kinder, die im Departement Santa Cruz, an der Grenze zum brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso verstorben waren. Auch aus Mato Grosse werden erhöhte Zahlen von Dengue-Fieber gemeldet, so dass von einer großräumigeren Dengue-Aktivität in der gesamten Region auszugehen ist. Bisher wurden mehr als 530 Erkrankungsfälle vom Gesundheitsministerium Boliviens registriert. Reisende nach Bolivien und insbesondere in den Osten des Landes sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. Februar 2010).
Dengue-Fieber in ArgentinienIn der argentinischen Provinz Misiones im äußersten Nordosten des Landes sind seit Jahresbeginn bereits rund 250 Erkrankungsfälle von Dengue-Fieber aufgetreten, dahingegen wurden im benachbarten Corrientes bisher nur vier Fälle gezählt. Aktuell werden von den lokalen Behörden der Provinz Misiones Maßnahmen ergriffen, um eine Ausbreitung zu verhindern und um die hohe Stechmücken-Aktivität insbesondere im geographischen Zusammenhang mit Erkrankungsfällen einzudämmen. Reisende in die Provinz Misiones, im Norden und Nordosten des Landes, sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. Februar 2010).
Dengue-Fieber in Französisch-GuayanaSeit fünf Wochen steigen die wöchentlich gemeldeten Erkrankungszahlen mit Dengue-Fieber an und liegen deutlich über dem epidemischen Level. Insgesamt wurden bereits mehr als 1.200 Erkrankungsfälle gezählt. Es zirkulieren mindestens drei der vier Dengue-Virustypen, wobei die Serotypen 1 und 4 am häufigsten zu finden sind. Reisende nach Französisch Guayana, auch in die Städte des Landes, sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. Februar 2010).
Dengue-Fieber in Sri LankaAuf der vor Indien im indischen Ozean gelegenen Insel Sri Lanka wird ein Dengue-Fieberausbruch gemeldet. Insgesamt sind seit Januar bereit rund 3.300 Erkrankungsfälle und 20 Todesfälle registriert worden. Im Vergleich dazu wurden im gesamten Vorjahr "nur" rund 4.000 Fälle gezählt. Die Gesundheitsbehörden gehen mit dem einsetzenden Monsun von einer weiteren Steigerung der Stechmücken-Aktivität und damit auch der Dengue-Viruszirkulation aus. Reisende nach Sri Lanka sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. Februar 2010).
Rotavirus-Ausbrüche in RusslandAus mehreren Teilen Russlands werden unabhängig voneinander Gastroenteritis-Ausbrüche berichtet. Betroffen sind in erster Linie Kinder, die in Kindergärten gehen und dort zu einer Verbreitung der Infektionen führen. Ursachen sind, soweit untersucht und bekannt, in den meisten Fällen Rotaviren. In der nordrussischen Stadt Murmansk hat sich die Zahl der Gastroenteritis-Erkrankten im Januar im Vergleich zum Dezember mehr als verdreifacht. In Chelyabinsk in der gleichnamigen Provinz musste ein Kindergarten aufgrund eines Ausbruchs geschlossen werden. In der Autonomen Republik Bashkortostan mussten ebenfalls Kindergärten aufgrund von Gastroenteritis-Ausbrüchen schließen. In Jekaterinburg in der Provinz Swertlowsk sind allein im Januar mehr als 1.500 Patienten erkrankt. Vor allem kontaminierte Nahrungsmittel werden für die jeweiligen Ausbrüche ursächlich verantwortlich gemacht. Reisende nach Russland sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel-, Trinkwasserhygiene und der persönlichen Hygiene beachten (ProMED, 16. Februar 2010).
Shigellose-Ausbruch in RusslandIn der russischen Provinz Yakutien, im Fernen Osten des Landes, sind mehr als 150 Menschen an Shigellose erkrankt, nachdem von einer Molkerei kontaminierte Milch ausgeliefert worden war. Es ist unklar, ob der Produktionsfehler aufgrund eines Herstellungsfehlers (nicht ausreichende Erhitzung) oder aufgrund einer Kontamination nach der Herstellung von der Verpackung zustande kam. Als Erreger wurde Shigella flexneri identifiziert. Reisende in entlegenere Gebiete Russlands sollten generell vorsichtig sein beim Genuss, bzw. Verzehr von nicht ausreichend gekochten oder gegarten Speisen und Getränken (ProMED, 13. Februar 2010).
Cholera in KambodschaIn Kambodscha scheint ein Cholera-Ausbruch abzulaufen und sich weiter auszubreiten. Offizielle Informationen sind nicht verfügbar. Allerdings berichten private Krankenhäuser über eine Zunahme der Fälle von schweren wässrigen Durchfällen. Seit Dezember letzten Jahres haben sich die behandelten Erkrankungsfälle in einigen Krankhäusern monatlich verdoppelt. Betroffen scheinen vor allem die Provinzen Kandal, Prey Veng und Takeo, sowie die Hauptstadt Kambodschas. Reisende nach Kambodscha sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene beachten (ProMED, 15. Februar 2010).
Cholera in Papua-NeuguineaIn Papua-Neuguinea sind im Verlauf des aktuellen Cholera-Ausbruchs bereits mehr als 2.000 Menschen erkrankt. Die Zahl der Verstorbenen hält sich mit weniger als 50 noch im sehr niedrigen Bereich. Nach Angaben der WHO breitet sich die Cholera weiter in bisher nicht betroffene Gebiete aus, so dass bisher nicht von erfolgreichen Bekämpfungsmaßnahmen die Rede sein kann. Betroffen sind weiterhin die Provinzen East Sepik, Morobe und Madang. Als Ursache nennen die Experten der WHO die schlechte Wasserversorgung im Lande und die Ausbreitung durch herumreisende Bewohner. Reisende nach Papua-Neuguinea sollten alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene beachten (ProMED, 15. Februar 2010).
Durchfall auf Fidschi-InselnAus den Fidschi-Inseln wurden innerhalb weniger Tage mehr als 200 Menschen mit Durchfall allein im Colonial War Memorial Krankenhaus behandelt. Das Krankenhaus liegt in Suva, der Hauptstadt der Fidschi-Inseln, im Südosten der Hauptinsel Viti Levu. Die Ursache des aktuellen Ausbruchs ist bisher unbekannt. Die Behörden raten dringend, insbesondere alle Eltern, ihre Kinder zu beobachten und nur abgekochte Flüssigkeiten und Nahrungsmittel zu trinken, bzw. zu verzehren. Reisende auf die Fidschi-Insel Viri Levu sollten aktuell alle Empfehlungen der individuellen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene beachten (ProMED, 15. Februar 2010).
Malaria in JamaikaIn der jamaikanischen Hauptstadt Kingston ist wiederum ein Fall einer Malaria tropica aufgetreten. Nachdem 2009 insgesamt 11 Erkrankungsfälle aufgetreten waren, weist der neuerliche Fall darauf hin, dass Plasmodium falciparum vermutlich weiterhin in Teilen Kingstons zirkuliert. Die Behörden haben nun angeordnet, dass alle stehenden Wasseransammlungen im betroffenen Stadtteil entfernt werden sollen. Aktuell haben sich die Empfehlungen zur Malaria-Chemoprophylaxe für Jamaika der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft nicht geändert. Trotzdem sollten Reisende nach Kingston Maßnahmen zur individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 16. Februar 2010).
Hantavirus Kardiopulmonales Syndrom in PanamaIn der Provinz Herrera in Zentral-Panama ist ein Fall von Hantavirus Kardiopulmonalem Syndrom aufgetreten. Es handelt sich um den zweiten Fall einer entsprechenden Hantavirus-Infektion in Panama im Jahr 2010. Von den drei bekannten in Panama vorkommenden Hantaviren, Rio Segundo-Virus, Choclo-Virus und Calabazo-Virus ist bisher nur Choclo-Virus als humanpathogen bekannt. Der Erreger wird von der Rattenart Oligoryzomys fulvescens ausgeschieden und übertragen. Die Gesundheitsbehörden empfehlen jeden direkten oder indirekten Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen zu vermeiden (ProMED, 17. Februar 2010).