KW 07 / 2008: Epidemiologische Informationen

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Gelbfieber in Paraguay
In Paraguay sind Gelbfieber-Erkrankungsfälle in der Provinz San Pedro, im Nordosten der Hauptstadt Ascuncion, aufgetreten. Dies ist umso bedenklicher, als es sich um eine Region handelt, die bisher nicht im sog. endemischen Gelbfieber-Gürtel in Südamerika enthalten war. Bisher gibt es keine näheren Informationen über die geographische Ausbreitung und möglichen Stechmücken-Arten, die am Ausbruch beteiligt sind. In Paraguay sind im Jahr 2008 bisher 5 Fälle von Gelbfieber aufgetreten. Zwei der Fälle traten in San Lorenzo nur rund 20 Km nördlich von Ascuncion auf, so dass jetzt die Befürchtung besteht, dass es sich um die ersten Fälle von urbanem Gelbfieber handelt, die seit Jahrzehnten in Südamerika aufgetreten sind. Obwohl es aktuell noch keine Empfehlungen für Reisende nach Paraguay gibt, sollten aktuell alle Reisende nach Paraguay, die die Provinz San Pedro oder nördlich davon bis in das Grenzgebiet zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien reisen, eine gültige Gelbfieber-Impfung aufweisen (ProMED, 8./10./14. Februar 2008).

Tollwut in Brasilien
Im brasilianischen Bundesstaat Ceara ist ein 14jähriger Junge an Tollwut erkrankt und verstorben. Es handelt sich um das erste Opfer an der Erkrankung in diesem Jahr in Brasilien. Nach den angestellten Untersuchungen erfolgte die Infektion durch den Biss eines wilden oder halbwilden Tamarinenaffen im Haus seiner Eltern. Bisher wurden Tamarinen nicht als Überträger der Tollwut angesehen. Die Gesundheitsbehörden überlegen aktuell, die Empfehlungen für die Tollwut-Expositionsprophylaxe auf Affenbisse auszuweiten. Grundsätzlich gilt für Reisende, dass nach jeder die Haut- oder Schleimhaut verletzenden Bisswunde durch ein wildes oder nicht identifizierbares Haustier eine Arzt aufgesucht werden sollte (ProMED, 12. Februar 2008).

Meningokokken-Meningitis in Zentralafrikanische Republik
Von Norden her aus dem Tschad und dem Sudan breitet sich eine Meningokokken-Epidemie auf die Zentralafrikanische Republik aus. Aktuell betroffen sind die Distrikte Ouham, Ouham Pende und Nana-Grebizi. Über das genaue Ausmaß der Epidemie gibt es keine Informationen. Auch der verursachende Meningokokken-Serotyp ist bisher nicht genannt, doch ist davon auszugehen, dass es sich überwiegend um den Serotyp A handelt. Die Gesundheitsbehörden rechnen damit, dass sich die Epidemie noch weiter nach Süden ausbreiten wird. Aktuell sind bis zu einer Million Menschen gefährdet. Auch die WHO wurde eingeschaltet und es werden Impfstoff-Vorräte in das bedrohte Gebiet transportiert. Reisende in die Zentralafrikanische Republik sollten vor Reisebeginn eine Meningokokken-Impfung mit tetravalentem Impfstoff (ACWY) durchführen (ProMED, 13. Februar 2008).

Hantavirus in Bolivien
Im bolivianischen Department Cochabamba sind in diesem Jahr möglicherweise schon 4 Menschen am Hantavirus Kardiopulmonalen Syndrom erkrankt und mindestens 2 Patienten davon verstorben. Die Diagnose eines dritten möglichen Verdachts-Todesfalls muss noch bestätigt werden. Aktuell werden von den lokalen Gesundheitsbehörden Nagerbekämpfungs-Maßnahmen durchgeführt. Der Erreger ist vermutlich das Andes Virus, dessen Überträger die Langschwanzratte (Oligoryzomys longicaudatus). Reisende nach Bolivien und insbesondere in die genannte Region sollten alle direkten und indirekten Kontakte mit Nagetieren vermeiden (ProMED, 12. Februar 2008).

Dengue Fieber in Peru
In Teilen Perus wird weiterhin ein epidemischer Status bezüglich der Dengue Virus-Aktivität beobachtet. Mehr als 90% aller registrierten Fälle stammen von den Distrikten Iquitos, San Juan Bautista und Puchana. Insgesamt meldeten in der 3. Kalenderwoche 49 Distrikte Fälle von Dengue Fieber. Dies sind 16 Distrikte mehr als in der vorausgegangenen Kalenderwoche. Dengue Fieber scheint sich stark auszubreiten in Teilen Perus. Reisende in die peruanische Region von Amazonien sollten eine ganztägige Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 11. Februar 2008).

Dengue Fieber in Australien
Im Norden des australischen Bundesstaates Queensland sind 2 Personen an Dengue Fieber erkrankt. Die durch Stechmücken übertragene Erkrankung trat in der Nähe der Stadt Port Douglas auf. Die letzten größeren Ausbrüche von Dengue Fieber in Australien liegen 9, bzw. 11 Jahre zurück. Aktuell kann über das Ausmaß des aktuellen Ausbruchs nichts mitgeteilt werden. Vermutlich wurde jedoch das Virus aus Südostasien eingeschleppt, wo aktuell eine sehr hohe Aktivität zu beobachten ist. Insbesondere in der genannten Region sollten Reisende bei Auftreten von größeren Stechmücken-Populationen entsprechende Maßnahmen der Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED 11. Februar 2008).

Haemophilus influenzea in Kanada
In den arktischen Regionen Kanadas konnten in den letzten Wochen mehr als 30 Erkrankungsfälle mit Haemophilus influenza Serotyp „a“ diagnostiziert werden. Dies ist umso ungewöhnlicher, als dieser Serotyp bisher praktisch nicht als Erreger von menschlichen Erkrankungen aufgetreten ist. Es wurden keine Angaben zur Klinik der bakteriellen Infektionen gemacht. Allerdings wurde von invasiven Erkrankungen gesprochen, so dass es sich möglicherweise um Meningitiden oder Septikämien gehandelt haben könnte. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser neue Erreger zukünftig ausbreiten wird. Bakterielle invasive Infektionen bei Reiserückkehrern aus der kanadischen arktischen Region sollten auch auf diesen neuen Serotyp von Haemophilus influenzae untersucht werden (ProMED; 14. Februar 2008).

Resistente Meningokokken in USA
Im US-Bundesstaat South Dakota sind mehrere Bakterienstämme von Meningokokken mit Resistenz gegen Fluorchinolone (Ciprofloxacin) aus Patienten isoliert worden. Es handelt sich um Stämme des Serotyps B, gegen die bisher keine Impfung verfügbar ist. Entsprechende Stämme wurde bisher vereinzelt in verschiedenen Teilen der Welt gefunden. Der aktuelle Nachweis ist der erste von Chinolon-resistenten Meningokokken in den USA. Die lokalen Gesundheitsbehörden empfehlen, die Expositionsprophylaxe nicht mehr mit Ciprofloxacin durchzuführen. Auf die Therapie von Meningokokken-Infektionen hat diese Beobachtung keinen Einfluss, da die Stämme weiterhin gegen Cephalosporine empfindlich sind, das Mittel der Wahl zur Therapie von Meningitis-Fällen. Meningokokken-Stämme bei Reisenden aus dem Bundesstaat North Dakota und auch von angrenzenden US-Bundesstaaten sollten auf die Ciprofloxacin-Resistenz getestet werden (ProMED, 15. Februar 2008).

Masern in den USA
Aus dem US-Bundesstaat Kalifornien wird ein bisher kleiner Masern-Ausbruch gemeldet. Als Infektionsquelle konnte ein Kleinkind identifiziert werden, das sich auf einer Reise nach Europa in der Schweiz infiziert hatte. Dieses war der Ausgangspunkt für 3 weitere Erkrankungsfälle. Nun werden weitere 6 Erkrankungsfälle gemeldet, die sich vermutlich im Wartezimmer der Arztpraxis infiziert hatten. Aktuell sind damit 10 Erkrankungsfälle bekannt geworden. Mittlerweile wurde in weiterer Fall in Zusamenhang mit dem Ausbruch in Hawaii identifiziert. Alle Schüler, die eine Schule in den USA besuchen wollen, müssen einen attestierten Immunschutz gegen Masern vorweisen. Es handelt sich hier um den ersten Masernausbruch in Kalifornien seit 17 Jahren. Grundsätzlich sollte jeder in Deutschland über einen ausreichenden Masern-Immunschutz verfügen. Reisemedizinische Beratungen stellen eine gute Möglichkeit dar, den Masernschutz zu überprüfen und ggf. zu vervollständigen (ProMED, 14./15. Februar 2008).

Lungenpest-Verdacht in Demokratischer Republik Kongo

In der Provinz Bolelole Orientale, rund 500 Kilometer nordöstlich der Stadt Kisangani, sind 20 Menschen an einer Pneumonie erkrankt, 5 davon sind verstorben. Nach den Angaben der lokalen Gesundheitsbehörden besteht der dringende Verdacht von Lungenpest. Dies muss jedoch noch bakteriologisch bestätigt werden. In der Demokratischen Republik Kongo traten auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder kleinere Ausbrüche von Pest auf. Die betroffene Region zählt nicht zu den Reiseregionen. Es bestehen keine Einschränkungen des Reiseverkehrs. Ggf. könnten beruflich Tätige (Entwicklungshelfer u.a.) in die Region kommen. Diese sollten bei jedem Kontakt mit möglicherweise Pestkranken entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen (ProMED, 13. Februar 2008).

Rift Valley Fieber in Südafrika
In einer Farm im südafrikanischen Mpumalanga sind 5 Büffel am Rift Valley Fieber erkrankt und verstorben. Die Erkrankungen bei den Büffeln traten bereits Mitte Januar auf. Die Meldung der Veterinärbehörden wurde jetzt an die Welt-Landwirtschafts-Organisation gemacht. Das genaue Ausmaß der Verbreitung ist unklar. Die Infektion wird natürlicherweise durch Stechmücken übertragen. Ein epidemisches Vorkommen wird hauptsächlich nach überdurchschnittlich starken Regenfällen beobachtet. Reisende in die Wildtier-Reservate Südafrikas sollten augenblicklich Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 11. Februar 2008).

Botulismus in Russland
Aus mehreren Regionen Russlands werden Ausbrüche von Botulismus gemeldet. Betroffen sind Regionen in Tyumen, etwa 1.000 Kilometer östlich von Moskau, und in Buryatien, einer Region am Baikalsee. In Tyumen sind innerhalb von nur 5 Tagen 13 Erkrankungsfälle aufgetreten, darunter ein Todesfall und mehrere Patienten in kritischem Zustand. Zur Infektionsquelle wurde nur mitgeteilt, dass es sich um nicht ordnungsgemäß hergestellte hausgemachte Nahrungsmittel handelte. In Buryatien ist ein 12jähriges Mädchen in lebensbedrohlichem Zustand, nachdem sie einen ebenfalls nicht ordnungsgemäß konservierten Omul, (Fisch aus dem Baikalsee) gegessen hatte. Insbesondere durch Omul sind in den letzten Jahren immer wieder kleinere Epidemien aufgetreten. Reisende nach Russland und insbesondere in die sibirische Region sollten auf den Verzehr dieses Fisches verzichten, insbesondere wenn es sich um hausgemachten Fisch handelt (ProMED; 11. Februar 2008).



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