KW 05 / 2010: Epidemiologische Informationen

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Milzbrand in Indien
Im indischen Bundesstaat Orissa sind mindestens 35 Rinder und Ziegen innerhalb von zwei Wochen an Milzbrand erkrankt und verstorben. Nachdem die Erkrankung in der ersten Januarwoche in einem Dorf auftrat, hat sie sich in den darauf folgenden Wochen über eine Vielzahl von Dörfern verbreitet. Mittlerweile wurden in den Kreisen Rajnagar, Pattamundai, Aul und Rajkanika im Distrikt Kendrapara mehr als 150.000 Haustiere gegen Milzbrand geimpft. Reisende in den indischen Bundesstaat Orissa und insbesondere in den genannten Distrikt sollten jeden direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder deren Kadavern vermeiden. Fleisch sollte ausschließlich in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 31. Januar 2010).

Hantavirus in Indien
Im indischen Bundesstaat Maharashtra ist eine Frau mit einer Lungeninfektion in ein Krankenhaus in Mumbai eingewiesen worden. Weitergehende diagnostische Untersuchungen ergaben eine Infektion mit Hantaviren bei der Patientin. Die Patientin ist mittlerweile wieder gesund. Hantavirus-Infektionen auf dem indischen Subkontinent sind bisher nur selten diagnostiziert worden. Neben dem Puumala-Virus kommen Seoul-Virus (Ratten-übertragen) und Thailand-Virus (Bandikutratte) in Indien vor. Für alle drei Viren wären pulmonale Manifestationsformen ungewöhnlich. Es mehren sich jedoch die Hinweise, dass in Indien ein bisher nicht identifiziertes Hantavirus mit primär pulmonaler Manifestion bei menschlicher Infektion verbreitet sein könnte. Aktuell ist daher nicht endgültig geklärt, welches Virus die Erkrankung der Frau hervorgerufen hat. Reisende in Indien sollten jeden direkten Kontakt mit Nagetieren vermeiden, da diese neben Hantaviren auch andere Erreger (u.a. Leptospiren, Pest) übertragen können ProMED, 4./5. Februar 2010).

Milzbrand in Schottland

Der in Teilen Schottlands bei den dortigen Heroin-Abhängigen auftretende Milzbrandausbruch ist weiterhin nicht unter Kontrolle. Wieder um ist ein weiterer Erkrankungsfall in Tayside aufgetreten. Damit steigt die Zahl der Infizierten auf insgesamt 19 Erkrankungsfälle. Neun Patienten sind bisher verstorben. Bisher konnte die eigentliche Infektionsquelle noch nicht ermittelt werden. Alle Drogenabhängigen werden aktuell eindringlich gewarnt, Heroin in Schottland zu kaufen oder zu verabreichen (ProMED, 3. Februar 2010).

Masern in Südafrika

Die südafrikanische Kap-Provinz und in Kapstadt sind mittlerweile ebenfalls von dem Masernausbruch erfasst worden, der seit rund drei Monaten in Südafrika beobachtet wird. In der Kap-Provinz wird über rund 250 Erkrankungsfälle und in Kapstadt über mehr als 100 Erkrankungsfälle berichtet. Die Gesundheitsbehörden haben nun auch für diese beiden Regionen eine Masern-Warnung ausgegeben. Reisende nach Südafrika sollten vor Reiseantritt besonders darauf achten, dass sie einen ausreichenden Masernschutz aufweisen, bzw. eine Masern-Impfung durchführen lassen (ProMED, 3. Februar 2010).

Resistente Tuberkulose auf den Marschall-Inseln

Die Behörden der Marschall-Inseln haben eine Notfallwarnung ausgegeben, nachdem innerhalb kurzer Zeit die Zahl der Patienten mit resistentem Mycobakterium tuberculosis von sechs auf zehn angestiegen ist. Es wird nun befürchtet, dass die Zahl auf mehrere hundert steigen könnte. Die Behörden haben nun die Zahl der Isolierungsbetten für die Behandlung von Patienten deutlich erhöht. Als Ursache für den Anstieg der Patienten wird die unsachgemäße (zu kurze, zu gering dosierte) Therapie der Erkrankung angegeben, die zur Ausbildung der Resistenzen bei den Mykobakterien führt. Es wurden keine näheren Angaben über die resistenten Antituberkulostatika gemacht. Reisende auf die Marschall-Inseln sollten vorsichtig sein im Umgang mit Menschen und ggf. nach der Rückkehr eine Testung auf Tuberkulose durchführen lassen (ProMED, 31. Januar 2010).

Alkhurma-Hämorrhagisches Fieber in Saudi-Arabien

Das saudi-arabische Gesundheitsministerium bestätigte das Auftreten von sieben Fällen von Infektionen mit dem Alkhurma-Virus in Mekka und in Najran. Dabei handelt es sich um ein Virus aus der Gruppe der durch Zecken übertragenen Flaviviren, zu denen u.a. auch das FSME-Virus zählt. Das Virus ist bisher ausschließlich in Saudi-Arabien nachgewiesen worden. Es zählt zur Gruppe der viralen hämorrhagischen Fieber mit einer Letalitätsrate von bis zu 20%. Die Übertragung erfolgt durch Zecken oder durch direkten Kontakt mit Schlachtprodukten von Haustieren (v.a. Schafe, seltener auch Ziegen, Kamele). Das Risiko für Saudi-Arabien-Reisende scheint insgesamt gering. Reisende sollten sich von Schlachthöfen fernhalten und Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 2. Februar 2010).

Melamin in Milchprodukten in China
Wiederum sind in China Milchprodukte mit hohem Melamin-Konzetrationen aufgetaucht. Betroffen ist dieses Mal die Provinz Guizhhou im Südwesten des Landes. Es sind Produkte von drei verschiedenen Firmen, die sofort aus den Regalen der Geschäfte entfernt wurden. Melamin wird insbesondere verwendet, um Milchpulver zu strecken. Es kann in höheren Konzentrationen zu Nierenschäden und, insbesondere bei Kindern, auch zum Tod führen. In einem großen Nahrungsmittelskandal waren 2008 in China mehr als 300.000 Kinder betroffen und sechs Kinder verstarben in China an kontaminierten Produkten. Reisende nach Guizhou sollten möglichst auf Milchprodukte verzichten, bis die Situation vollständig geklärt ist (ProMED, 2. Februar 2010).

Dengue-Fieber in Kolumbien

Aus dem kolumbianischen Valle del Cauca werden stark ansteigende Erkrankungszahlen von Dengue-Fieber gemeldet. Besonders betroffen ist die Stadt Cali. Dort sind seit Jahresbeginn bereits rund 220 Erkrankungsfälle aufgetreten. Dies ist ein Anstieg um das Vierfache gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Von den 218 Erkrankungsfällen verlief rund jeder zehnte Fall als hämorrhagisches Dengue-Fieber. Vier Patienten sind an der Infektion verstorben. Am heftigsten betroffen ist der Süden der Stadt Cali. Aktuell wurden keine weiteren Angaben zu dem oder den zirkulierenden Virus-Serotypen gemacht. Reisende nach Kolumbien sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. Februar 2010).

Dengue-Fieber in Venezuela
Aus der venezolanischen Provinz Miranda werden 28 Fälle von Dengue-Fieber gemeldet. Es wurden keine näheren Angaben zur klinischen Manifestationsform oder zum verursachenden Virus-Serotyp gemacht. Allerdings waren Ende 2009 alle vier Dengue-Serotypen in Venezuela gleichzeitig nachweisbar. Die meisten Erkrankungsfälle wurden in diesem Jahr in der Region der gleichnamigen Provinzstadt, in Gualcaipuro und in Carrizal gezählt. Reisende in die Region von Miranda sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. Februar 2010).

Dengue-Fieber in Brasilien
Im Großraum der brasilianischen Stadt Sao Paulo wird ein Dengue-Fieberausbruch erwartet. In den ersten Wochen des Jahres wurden bereits hunderte von Erkrankungsfällen gezählt. Zu den besonders gefährdeten Arealen zählen Campo Limpo, Butanta und Morumbi, da hier besonders hohe Infestationsraten mit Aedes aegypti zu finden sind. Auch aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais wird ein ernster Anstieg der Erkrankungsfälle berichtet. Reisende in die beiden genannten brasilianischen Bundesstaaten sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. Februar 2010).

Dengue-Fieber in Indonesien
Von der im Nordosten der indonesischen Insel Java gelegenen Insel Madura Island wird ein ungewöhnlicher Anstieg der Erkrankungszahlen an Dengue-Fieber beobachtet. Ernst wird die Situation vor allem in Lumajang geschildert, wo in diesem Jahr bereits 76 Personen erkrankt und zwei Kinder am Dengue-Hämorrhagischen Fieber verstorben sind. Seit Beginn der Regenzeit im Dezember wird ein stetiger Anstieg der Erkrankungsfälle registriert. Reisende auf die genannte Insel sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 2. Februar 2010).

Shigellose in Israel
Im israelischen Distrikt Haifa sind mindestens 17 Kinder und zwei Erwachsene an Shigellose erkrankt. Der Ausbruch ereignete sich in einem arabischen Dorf im Wadi Ara. Als Infektionsquelle konnte ein Wasserbrunnen identifiziert werden, in dem das Wasser kontaminiert worden war. Der genaue Ruhrerreger wurde nicht mitgeteilt. Der Ausbruch scheint mit der Sanierung des Brunnens beendet. Dieses Beispiel soll jedoch darauf hinweisen, dass Wasserquellen ggf. kontaminiert sein können und deshalb Wasser aus entsprechenden Quellen nur abgekocht getrunken werden sollte (ProMED, 5. Februar 2010).

Cholera in Neu-Guinea

Vor rund fünf Monaten war in Neuguinea die Cholera ausgebrochen. Seither werden immer wieder Erkrankungsfälle registriert. Zuletzt waren im Rahmen der Weihnachtsferien mehr als 500 Menschen erkrankt. Die Gesamtzahl der Erkrankten liegt nun bei etwa 1.900. Betroffen sind insbesondere die Provinzen Ost-Sepik, Morobe und Madang. Nach Auskunft des WHO-Beauftragten wird eine Übertragung aus niedrigem Niveau beobachtet, wobei immer wieder in neuen und bisher nicht betroffenen Regionen Erkrankungsfälle auftreten. Reisende nach Neu-Guinea sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 5. Februar 2010).

Cholera in Vietnam aus Kambodscha

In der an Kambodscha angrenzenden vietnamesischen Provinz An Giang wurden sieben Personen mit Cholera diagnostiziert. Die Erkrankten gehören wohl zu einer Gruppe von insgesamt 45 Erkrankten, die sich mit Durchfällen in einem lokalen Krankenhaus vorstellten. Nach Angaben der vietnamesischen Behörden handelt es sich überwiegend oder ausschließlich um Kambodschaner, die über die Grenze gekommen waren, um sich hier behandeln zu lassen. In Vietnam war es 2008 und 2009 zu größeren Choleraausbrüchen gekommen. Reisende nach Vietnam sollten grundsätzlich alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 5. Februar 2010).

Cholera in Kambodscha

Aus mehreren Teilen Kambodschas werden steigende Erkrankungszahlen gemeldet. So scheint insbesondere im Russey Keo Distrikt, einem Distrikt der Hauptstadt Phnom Penh, ein Ausbruchsgeschehen abzulaufen. Genauere Erkrankungszahlen sind bisher nicht verfügbar, allerdings warnen die Gesundheitsbehörden vor größeren Ausbrüchen. Auch in der Prey Veng Provinz treten in Gemeinden Erkrankungen auf, die von den Einheimischen für Cholera gehalten werden. Die Provinz liegt im Südosten Kambodschas in der Nähe der Grenze zu Vietnam. Das Ausbruchsgeschehen hier wurde bisher noch nicht von den offiziellen Gesundheitsbehörden bestätigt. Reisende nach Kambodscha sollten grundsätzlich alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 5. Februar 2010).

Cholera in Thailand
In der thailändischen Provinz Pattani werden weiterhin Fälle von Cholera registriert. Während früher insbesondere Gemeinden an den Ufern der Flüsse betroffen waren, scheint sich die Erkrankung mittlerweile auszubreiten und auch in entfernteren Dörfern aufzutreten. Die Übertragung scheint in der Hauptsache durch kontaminierte Fische aus den kontaminierten Flüssen zu erfolgen. Seit Jahresbeginn wurden mehr als 80 Erkrankungsfälle gemeldet. Im Gegensatz dazu wurden im gesamten Jahr 2009 in Pattani 121 Erkrankungsfälle gezählt. Reisende in die im äußersten Süden gelegenen thailändischen Provinz sollten grundsätzlich alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene strikt befolgen (ProMED, 5. Februar 2010).



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