KW 04 / 2010: Epidemiologische Informationen

Nipah-Virus-Enzephalitis in BangladeschIm Distrikt Faridpur im Landesteil Dhaka in Bangladesch sind drei Mitglieder einer Familie an einer Infektion mit Nipah-Virus erkrankt und verstorben. Alle drei Personen hatten vor ihrem Tod frischen Dattelsaft getrunken. Experten gehen davon aus, dass der Dattelsaft die Infektionsquelle darstellte. Mit dem Nipah-Virus chronisch infizierte Flughunde, die das Virus mit ihren Exkreten und Sekreten ausscheiden, können damit Datteln kontaminieren. Der Genuss unbehandelten Dattelsafts kann zur Infektion führen. Es handelt sich um eine sehr schwere Form der Enzephalitis mit Letalitätsraten jenseits 30%. Reisende in die südostasiatische Region sollten jeden direkten Kontakt mit Flughunden oder deren Exkrementen vermeiden.
Früchte aus Plantagen mit Flughund-Kolonisation sollten nicht roh verzehrt werden (ProMED; 22. Januar 2010).
Tollwut auf den PhilippinenAuf der philippinischen Insel Catanduanes ist ein 23jähriger Mann an Tollwut erkrankt und verstorben. Es handelt sich um den ersten Erkrankungsfall an Tollwut seit 2008. Auf der philippinischen Insel war eine Aktion zur Elimination der Tollwut ins Leben gerufen worden, in deren Verlauf mehr als 50% der streunenden Hunde geimpft worden waren. Im aktuellen Fall war der Mann beim Verscheuchen des Hundes aus dem Hühnerstall von diesem angesprungen und in die Wange gebissen worden. Der Mann hatte daraufhin keinen Arzt aufgesucht und war zwei Monate später erkrankt und verstorben. Die Philippinen gehören zu den fünf Ländern mit den meisten gemeldeten Tollwut-Toten. Jährlich sterben zwischen 250 und 300 Menschen an Tollwut, der überwiegende Teil davon Kinder. Reisende auf die Philippinen sollten jeden direkten Kontakt mit Hunden vermeiden und insbesondere nach Kontakt mit Tieren mit ungewöhnlich aggressivem Verhalten sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 24. Januar 2010).
Milzbrand in SchottlandIn Schottland sind im Rahmen des aktuellen Milzbrand-Ausbruchs unter Heroin-Abhängigen weitere Erkrankungs- und Todesfälle aufgetreten. Mittlerweile sind mindestens 17 Menschen erkrankt und acht Patienten an der Infektion verstorben. Am schlimmsten betroffen ist die Region von Glasgow & Clyde, wo neun Patienten diagnostiziert wurden, fünf davon verstarben bisher. Die restlichen Patienten verteilen sich auf andere Teile Schottlands, so dass von einem weiter verbreiteten Ausbruchsgeschehen ausgegangen wird. Reisende Drogenabhängige nach Schottland werden dringend aufgefordert, aktuell kein Heroin vor Ort zu erwerben und anzuwenden. Nach wie vor ist ungeklärt, ob ein Zusammenhang zu einem Todesfall an Milzbrand bei einem deutschen Heroinabhängigen besteht (ProMED, 25. Januar 2010).
Dengue-Fieber in KolumbienIn der kolumbianischen Stadt Cali explodieren die Erkrankungsfälle an Dengue-Fieber. Seit Jahresbeginn wurden bereit rund 300 Erkrankungsfälle gemeldet, davon fast die Hälfte in der Altersgruppe von 15-44 Jahren. Der Ausbruch begann im letzten Quartal des Jahres 2009, als sich ein zunehmender Anstieg der Erkrankungsfälle abzeichnete. Seit Jahresbeginn stiegen die Erkrankungszahlen so stark an, dass die Gesundheitsbehörden nun eine Dengue-Warnung ausgaben. Alle Maßnahmen sollen ergriffen werden, um Brutplätze für Stechmücken (Aedes aegypti) zu eliminieren. Reisende in die Region von Cali sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 25. Januar 2010).
Dengue-Fieber in BrasilienIn mehreren Bundesstaaten Brasiliens wird eine deutlich erhöhte Dengue-Virus-Aktivität beobachtet. Im Bundesstaat Sao Paulo sind in den drei Städten Aracatuba, Sao Jose do Rio Preto und Ribeirao Preto mehr als 900 Menschen erkrankt und bei weiteren rund 500 Patienten in Riberao Preto besteht der Verdacht auf ein Dengue-Fieber. Auch in mehreren Städten Rondonias sind erhöhte Erkrankungszahlen zu verzeichnen. So wurden in der Hauptstadt des Bundesstaats Porto Velho in diesem Jahr ebenfalls bereits mehr als 200 Erkrankungen diagnostiziert. Es wird von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgegangen. Im Bundesstaat Goias wurden seit Jahresbeginn mehr als 1300 Erkrankungsfälle registriert. Dies bedeutet eine Zunahme um 200% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Goiania-Stadt wurde sogar ein Anstieg der Erkrankungszahlen um 1200% beobachtet. Reisende in die genannten brasilianischen Bundesstaaten und ebenso nach Mato Grosso, Mato Grosso do Sul und Acre sollten eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 25. Januar 2010).
Dengue-Fieber im JemenIm Gouvernat Taiz im Jemen wird ein Dengue-Fieber-Ausbruch beobachtet. Genaue Zahlen sind nicht verfügbar. Einzelne Krankenhäuser berichten von mehr als 100 Erkrankungsfällen täglich. Die bekannten Todesfälle an der durch Stechmücken übertragenen Infektion gehen mittlerweile im ganzen Gouvernat in die Dutzende. Nähere und vor allem umfassende Informationen über das Ausbruchsgeschehen, über deren Heftigkeit und geographische Ausbreitung sind nicht verfügbar. Reisende in den Jemen sollten vor Reiseantritt über das erhöhte Infektionsrisiko informiert werden und in Gegenden mit hohen Stechmücken-Populationen eine ganztägigen individuellen Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 25. Januar 2010).
Poliomyelitis weltweitAus Pakistan wird der erste Fall einer Poliomyelitis des Jahres gemeldet. Es handelt sich um eine Infektion mit dem Serotyp 1. Betroffen ist ein neun Monate alter Säugling. Ein weiterer Erkrankungsfall wurde in Afghanistan aus der Provinz Hilmand gemeldet. Es handelt sich hier um eine Infektion mit dem Serotyp 3. Afghanistan und Pakistan zählen zu den fünf Ländern, in denen weiterhin endemisch Polioviren zirkulieren. Neben den beiden genannten Ländern sind dies Nigeria, der Sudan in Afrika und Indien. In weiteren afrikanischen Ländern, vorzugsweise in West- und Zentralafrika, wurden Erkrankungsfälle gemeldet, die vorwiegend aus den endemischen Ländern eingeschleppt und zu lokalen Ausbrüchen führten. Reisende in der zentralasiatische Region und auf dem Indischen Subkontinent sowie in Afrika sollten weiterhin über einen ausreichenden Immunschutz gegen Poliomyelitis verfügen (ProMED, 26. Januar 2010).
Tollwut in Russland Im Distrikt Moskau hat ein Hund mindestens 14 Menschen angefallen und gebissen. Der Hund war tollwütig, wie sich im Nachhinein herausstellte. Bei allen verletzten Patienten wurde eine Tollwut-Postexpositionsprophylaxe durchgeführt. Es handelt sich um das zweite entsprechende Ereignis dieser Art im Distrikt Moskau innerhalb weniger Wochen, nachdem in der zweiten Dezemberhälfte ein ähnliches Ereignis im Süden des Distrikts mit der Verletzung von 32 Menschen stattgefunden hatte. Es ist ungewöhnlich, dass es sich nicht um Wildtiere (Füchse), sondern um Haustiere handelt. Damit scheint der in Russland übliche sylvatische Übertragungszyklus der Tollwut in einen urbanen Zyklus überzuspringen. Reisende in die Region von Moskau und in das gesamte Russland sollten jeden direkten Kontakt mit Haus- und Wildtieren mit ungewöhnlichem Verhalten vermeiden. Im Fall eines entsprechenden direkten Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 27. Januar 2010).
Atypische Mykobakterien-Infektion in ChinaIn einer Geburtsklinik in der Stadt Shantou in der der südchinesischen Stadt Guangdong haben sich mindestens 18 Frauen in der zweiten Hälfte des letzten Jahres im Rahmen von Kaiserschnitten mit atypischen Mykobakterien infiziert. Erst jetzt sind die Erkrankungsfälle bekannt geworden. Es handelt sich dabei in erster Linie um schlecht heilende oder eitrige Wundinfektionen. Die genaue Art der atypischen Mykobakterien wurde nicht genannt. Allerdings teilten die Gesundheitsbehörden nun mit, dass es sich bei allen Infektionen um den gleichen Bakterienstamm handeln würde. Mykobakterien kommen gewöhnlich in der Umgebung und im Wasser vor. Wundinfektionen weisen häufig auf den Gebrauch nicht-sterilen Wassers zur Wundpflege hin. Reiserückkehrer aus Guangdong mit schlecht heilenden Wunden sollten auch auf Mykobakterien untersucht werden (ProMED, 27. Januar 2010).
Milzbrand in IndonesienAuf der indonesischen Insel Sulawesi wird ein Milzbrand-Ausbruch beobachtet. Betroffen ist die Maros-Region im Süden der Insel, wo zwei Rinder an der Infektion erkrankten und verstarben. Menschliche Erkrankungsfälle wurden bisher nicht bekannt. Weitere Informationen wurden nicht mitgeteilt. In verschiedenen Teilen Indonesiens werden immer wieder Milzbrandausbrüche bei Rindern, Wasserbüffeln und teilweise bei Elefanten beobachtet. Für Reisende besteht grundsätzlich ein sehr geringes Risiko. Trotzdem sollten grundlegende Verhaltens weisen nicht außer Acht gelassen werden. U.a. sollte jeder direkte Kontakt mit erkrankten Tieren oder Tierkadavern vermieden werden und Fleisch nur in sehr gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 29. Januar 2010).
Tollwut in den USAIn der Stadt Wilmington im US-Bundesstaat Delaware wurden am vergangenen Sonntag zwei Menschen und ein Hund von einem vermutlich tollwütigen Waschbären angefallen und verletzt. Eine Frau wurde beim Verlassen der Kirche nach dem sonntäglichen Kirchgang von dem Waschbären angegriffen und am Fußgelenk verletzt. Am gleichen Tag wurde noch ein Wachmann eines Hochhauskomplexes am Fußgelenk verletzt, als er das Gebäude verlassen wollte. Der Waschbär scheint sehr aggressiv zu sein, er wird aktuell gejagt. Nach wie vor wird eine hohe Tollwut-Aktivität in verschiedenen Teilen der USA, u.a. im Osten und im Süden registriert. Reisende in die USA sollten jeden direkten Kontakt mit Haus- und Wildtieren mit ungewöhnlichem Verhalten vermeiden. Im Fall eines entsprechenden direkten Kontakts sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 27. Januar 2010).
Masern in NigeriaIm Bundesstaat Bayelsa des westafrikanischen Staates Nigeria wird über Unruhen aufgrund einer Masern-Epidemie berichtet. Die nationalen Gesundheitsbehörden machten keine Angaben zu Erkrankungs- oder Todesfällen. Nach den Presseinformationen ist der Ausbruch unter Kontrolle. Mehrere Ärzte-Teams, u.a. auch von „Ärzte ohne Grenzen“ befinden sich in der betroffenen Region, um dort die Bevölkerung zu impfen. Reisende nach Afrika sollten grundsätzlich über eine ausreichende Masern-Immunität verfügen (ProMED, 30. Januar 2010).
Hantavirus-Kardiopulmonales Syndrom in den USAIm Alamosa County im US-Bundesstaat Colorado ist ein Mann am Hantavirus-Kardiopulmonalen Syndrom verstorben. Es handelt sich um den ersten Todesfall an der Infektion im County seit mehr als 2 Jahren, als ein 28jähriger Mann an der Infektion verstorben war. Als Überträger werden Hirschmäuse vermutet, die mit dem Sin Nombre-Virus chronisch infiziert sind und dieses durch ihre Exkrete und Sekrete auf den Menschen übertragen können. Typischerweise suchen diese Mäuse im Spätherbst und Winter menschliche Behausungen als Schutz vor dem Winter auf, wodurch es zum Kontakt mit Menschen kommen kann. Reisende nach Nordamerika und Teile Südamerikas sollten daher jeden direkten Kontakt mit Nagetieren vermeiden. In Nager-infestierten Gebäuden sollte vor Betreten gut gelüftet werden und niemals trocken, sondern immer nass gewischt werden (ProMED, 29. Januar 2010).
Legionellose in SüddeutschlandIn den an der Donau gelegenen Zwillingsstädten Ulm und Neu-Ulm sind seit Januar mehr als 60 Menschen an Legionellose erkrankt, fünf Patienten sind an der Infektion bisher verstorben. Bisher ist die Infektionsquelle völlig unklar. Es wird ein Kühlsystem vermutet, das jedoch bisher noch nicht identifiziert werden konnte. Der überwiegende Teil der Patienten weist Grunderkrankungen auf. Bei Reisenden mit Aufenthalt in Ulm oder Neu-Ulm sollte bei Auftreten einer pulmonologischen Symptomatik eine Legionellose ausgeschlossen werden (ProMED, 29. Januar 2010).