KW 02 / 2010: Epidemiologische Informationen

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF

Tollwut in den USA
In Teilen der USA gibt es weiterhin eine hohe Tollwut-Aktivität bei Wildtieren. Aktuell wurde eine Frau im US-Bundesstaat New Jersey von einem Fuchs angegriffen und verletzt. Bei dem Fuchs konnte Tollwut diagnostiziert werden und es wurde sofort mit einer Postexpositions-Prophylaxe bei der Patientin begonnen. Der Fuchs hatte einige Tage vorher schon ein 9jähriges Kind angegriffen und gebissen, bevor ihn die Polizei erschießen konnte und eine Untersuchung auf Tollwut durchgeführt wurde. Die Gesundheitsbehörden warnen nochmals eindringlich vor direkten Kontakten mit Wildtieren mit einem auffälligem Verhalten gegenüber Menschen. Bei direkten Kontakten nach entsprechendem, insbesondere aggressivem Verhalten sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden (ProMED, 10. Januar 2010). 

Hantavirus-Kardiopulmonales Syndrom in Chile
In Chile wurden im Jahr 2009 39 Fälle von Hantavirus-Pulmonalem Syndrom bekannt, neun Patienten verstarben. Damit ist die Zahl der Erkrankungen gegenüber dem Vorjahr relativ stabil (2008: 43 Erkrankungsfälle). Die meisten chilenischen Erkrankungsfälle, bei denen ein Erreger nachgewiesen wird, werden durch das Andes-Virus verursacht. Es wird durch die Langschwanz-Reismaus (Oligoryzomys longicaudatus) verursacht. Im Jahr 2009 wurde erstmals ein Erkrankungsfall in einer urbanen Region verursacht. Die meisten Erkrankungsfälle treten in ländlichen Regionen auf. Dort sind besonders häufig Touristen betroffen, die sich für den Zeitraum ihres Urlaubs in ländlichen Ferienwohnungen aufhalten, die ansonsten unbewohnt sind. Dort nisten sich die Mäuse ein und es können dadurch hohe Konzentrationen von Viren in Räumen entstehen, die von den Menschen eingeatmet werden. Entsprechende Urlauber werden aufgefordert, vor Betreten entsprechender Räumlichkeiten 30 Minuten Fenster und Türen zu öffnen und zu lüften und weitere Maßnahmen gegen die Besiedlung von Nagetieren zu treffen (ProMED, 9. Januar 2010).

Milzbrand in Schottland

Die Zahl der an Milzbrand erkrankten iv-Drogenabhängigen Menschen in Schottland ist auf 14 angestiegen. Sieben Patienten sind bisher an der Infektion verstorben. Als Infektionsquelle gilt weiterhin kontaminiertes Heroin. Die Droge ist in weiten Bereichen Schottlands im Umlauf, da sich die Erkrankungsfälle nicht mehr nur auf Glasgow konzentrieren. Die Behörden warnen aktuell dringend vor dem Gebrauch von im Umlauf befindlichem Heroin und rechnen mit weiteren Erkrankungs- und Todesfällen in den kommenden Tagen und Wochen. Reisende nach Schottland sollten unbedingt keinerlei Heroin kaufen und anwenden (ProMED, 9.12. Januar 2010).

Typhus in Nepal
40 Personen einer israelischen Reisengruppe sind in Nepal mit Typhus infiziert worden und im weiteren Verlauf der Reise im Fernen Osten Russlands am Typhus erkrankt. Als Infektionsort wird die Kantine des jüdischen Zentrums Beit-Khabat in der nepalesischen Stadt Pokhara vermutet. Nach verfügbaren Angaben wurden die Erkrankten in ein Krankenhaus eingewiesen und sind mittlerweile wieder geheilt entlassen und nach Israel zurückgekehrt. Weitere Informationen, z.B. zur vermuteten Infektionsquelle, liegen nicht vor. Der indische Subkontinent und die angrenzenden Länder gelten als hochendemisch für Typhus. Reisende sollten alle Empfehlungen der individuellen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene beachten. Bei längeren Aufenthalten ist eine Typhus-Impfung vor Reiseantritt zu empfehlen (ProMED, 12. Januar 2010).

Dengue-Fieber in Nicaragua
In der Gemeinde Leon, rund 100 Kilometer nordöstlich der nicaraguanischen Hauptstadt Managua, wurde eine Dengue-Notsituation ausgerufen, nachdem eine Frau verstorben und mindestens zehn weitere Personen am Dengue-Fieber, bzw. dem Dengue Hämorrhagischen Fieber erkrankt sind. Es handelt sich um Dengue-Virus vom Serotyp 3. Mittlerweile wurden Notfall-Stechmücken-Bekämpfungsmaßnahmen begonnen. Das genaue Ausmaß und die weitere Ausbreitung des Virus und dessen Aktivität sind unklar. Reisende nach Nicaragua und insbesondere in den Nordosten des Landes sollten Maßnahmen zum individuellen Schutz vor Stechmücken (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 12. Januar 2010).

Chagas-Krankheit in Brasilien

In der brasilianischen Stadt Santa Isabel do Rio Negro, im nördlichen Bundesstaat Amazonas, sind mindestens 12 Menschen an Chagas-Krankheit erkrankt. Die Übertragung erfolgte durch ein aus Früchten einer Palmenart hergestelltes kontaminiertes Nahrungsmittel mit dem Namen "Acai". Die Kontamination erfolgt dadurch, dass die Früchte, bzw. deren Saft vor oder während der Verarbeitung mit Raubwanzen (Triatoma), bzw. deren Fäzes, kontaminiert wurden. Die orale Form der Übertragung der Chagas-Krankheit ist selten, kann jedoch zu Mikroausbrüchen führen. Als Infektionsquelle dienen hierfür fast ausschließlich Nahrungsmittel aus Palmenfrüchten. Reisende in Südamerika sollten daher Palmfrüchte nur aus sicherer Herstellung genießen (ProMED, 13. Januar 2010).

Cadmium in chinesischem Modeschmuck

Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass jedes achte Stück von in China hergestelltem Modeschmuck für Kleinkinder Cadmium in teilweise erheblicher Konzentration und leicht löslicher Form enthält. Es scheint als Ersatzstoff für Blei zu dienen, das bei Spielwaren für Kinder nicht mehr erlaubt ist. Cadmium löste sich bei Kontakt mit Wasser in erheblichem Umfang, so dass nach Auskunft der Experten das mehrmalige in den Mund nehmen und lutschen an entsprechenden Modeschmuckstücken zu einer Cadmium-Vergiftung führen kann. Entsprechende Untersuchungen in anderen Ländern fehlen, doch ist auch hier von entsprechenden Kontaminationen auszugehen. Reisende sollten entsprechenden Schmuck in China nicht als Mitbringsel für Kinder kaufen (ProMED, 13. Januar 2010).

Melioidose in Australien
Seit Begin der Regenzeit sind im australischen Bundesstaat Northern Australia schon 14 Menschen an Melioidose erkrankt. Die in Australien als Nightcliff Gärtner-Krankheit bekannte Infektion wird durch ein Bodenbakterium, Burkholderia pseudomallei, ausgelöst. Die Übertragung erfolgt durch Boden, Schlamm oder Wasser, die durch den Regen ausgeschwemmte Bakterien enthalten und bei direktem Hautkontakt oder als Aerosol in den Körper eindringen können. Besonders Personen mit Grunderkrankungen (Diabetes, Nierenerkrankungen, Cortisontherapie u.a.) können schwer und lebensbedrohlich erkranken. Insbesondere Personen mit Grunderkrankungen sollten jeden direkten Kontakt mit Erde oder erdhaltigen Flüssigkeiten vermeiden (ProMED, 14. Januar 2010).

Botulismus in den USA

Im US-Bundesstaat -Washington ist ein Heroin-Abhängiger an Botulismus erkrankt. Ein weiterer Verdachtsfall wird aktuell untersucht. Die Erkrankung stammt vermutlich von mit Botulismussporen kontaminiertem Rauschgift, das mit Erde oder mit Honig gestreckt wurde. Es ist unklar, ob es sich nur um ein privates Ereignis handelt oder ob größere Mengen kontaminierten Heroins in Umlauf gelangt sind. Aktuell sollten Reisende im US-Bundesstaat Washington kein auf dem Drogenmarkt erhältliches Heroin kaufen und anwenden, da das Ausmaß der Kontamination unklar ist (ProMED, 14. Januar 2010).

Milzbrand in Simbabwe

Die Veterinärbehörden des südafrikanischen Staats melden einen neuen Milzbrand-Ausbruch in der Provinz Mashonaland West. Die Erkrankung trat an verschiedenen Stellen in der Provinz auf. Nach Auskunft der Behörden ist die Situation unter Kontrolle. In Simbabwe treten regelmäßig Milzbrand-Ausbrüche auf. Dies ist zum einen bedingt durch die instabilen politischen Verhältnisse, die eine geregelte Veterinärüberwachung der Nutztierbestände unmöglich machen. Weiterhin werden Tiere in die unterschiedlichsten Regionen transportiert, so dass infizierte Tiere immer wieder mit nicht infizierten Herden in Kontakt kommen. Der Milzbrand tritt bevorzugt, wenn auch nicht ausschließlich, während oder kurz nach der Regenzeit auf. Reisende sollten grundsätzlich jeden direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder Tierkadavern vermeiden. Fleisch sollte ausschließlich in gut durchgegartem Zustand verzehrt werden (ProMED, 14. Januar 2010).

Quallenvergiftung in Australien
Im australischen Bundesstaat Queensland sind seit Weihnachten bereits mindestens zehn Menschen an Quallenvergiftung erkrankt. Es handelt sich um eine Verdopplung der Erkrankungszahlen im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahrs. Die als Irukandji-Vergiftung bezeichnete Erkrankung wird durch Kontakt mit rund zwei Zentimeter großen Quallen verursacht, die als die giftigsten Tiere unserer Erde bezeichnet werden. Toxikologen der James Cook University erwarten einen weiteren Anstieg der Erkrankungsfälle in diesem Jahr, da durch die höhere Wassertemperatur die Zahl der Quallen stark zunimmt. Reisende, die an den subtropischen und tropischen Küsten schwimmen wollen, sollten bei Vorhandensein von Irukandji-Quallen vorsichtig sein (ProMED, 14. Januar 2010).

Milzbrand in Deutschland
Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen ist ein Drogenabhängiger am Milzbrand erkrankt und verstorben. Ein zweiter Verdachtsfall wird augenblicklich untersucht. Der Patient war schon am 6. Dezember des letzten Jahres mit einer Fasziitis eingewiesen worden. Eine Woche später war er verstorben. Erst weitere fünf Tage später wurde dann die Diagnose Milzbrand gestellt. Es ist bisher unklar, ob ein Zusammenhang mit den Milzbrandfällen in Schottland besteht. Es ist unklar, welche Form von Rauschgift der Patient angewandt hatte, jedoch wird Heroin vermutet. Der Erwerb und die Anwendung von iv-Rauschgift in Nordrhein-Westfalen birgt aktuell ein hohes Risiko einer Milzbrand-Infektion, da das Ausmaß der Kontamination bisher völlig unbekannt ist (ProMED, 15. Januar 2010).

Sindbis-Virusinfektion in Finnland
Die finnischen Gesundheitsbehörden teilen mit, dass in diesem Jahr bei 105 Personen an einer Ockelbo-Infektion erkrankt sind. Damit lag die Zahl der Erkrankungen in diesem Jahr etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt, jedoch wesentlich niedriger als in früheren epidemischen Jahren. Nach den bisherigen 7-Jahresrhytmus von Ausbrüchen wäre 2009 wiederum ein epidemisches Jahr zu erwarten gewesen. Dabei handelt es sich um eine Infektion mit einem mit Sindbis-Virus nahe verwandten Virus. Das Virus wird durch Stechmücken der Gattung Culiseta übertragen. Die Infektion manifestiert sich unter einem Exanthem und Gelenkschmerzen. Reisende nach Finnland, Schweden und das russische Karelien sollten im Sommer Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken durchführen (ProMED, 15. Januar 2010).



© 2012 by Dr. Frühwein & Partner | created by nerd-d-sign, ska-design & Maximusweb