KW 47 / 2008: Epidemiologische Informationen

Botulismus in UgandaIm Oktober 2008 waren 2 Studentinnen mit Verdacht auf Botulismus in ein Krankenhaus in der Nähe der ugandischen Hauptstadt Kampala eingewiesen worden und verstorben. Untersuchungen u.a. am CDC in Atlanta bestätigten nun den anfänglichen Verdacht. Es handelt sich um die ersten bekannt gewordenen Fälle von Botulismus in Uganda seit mehr als 30 Jahren. Die Infektionsquelle ist nach wie vor unbekannt. Vermutungen, dass die Infektion durch Essen der Mensa der Universität von Seeta erfolgte, an der die beiden Studentinnen studierten, konnten aus epidemiologischen Erwägungen nicht bestätigt werden, da es sich um isolierte Fälle handelte. Botulismus-Bakterien entwickeln sich unter anaeroben Bedingungen und daher werden sie häufig in Konserven und in geräuchertem Fisch oder Fleisch gefunden und übertragen.
Grundsätzlich sollten Reisende vorsichtig sein beim Verzehr von hausgemachten Konserven und selbst geräuchertem Fisch und Fleisch (ProMED, 18. November 2008).
Typhus auf den PhilippinenIn der Provinz Quezon, im Süden der philippinischen Insel Luzon, sind mehr als 100 Menschen an Typhus erkrankt. Allein am 17. November sind mehr als 80 Menschen an der durch Trinkwasser und Nahrungsmittel übertragenen, bakteriellen Infektion erkrankt. Die Gesundheitsbehörden suchen fieberhaft nach der Infektionsquelle und haben insbesondere die schlecht gewartete und in schlechtem Zustand befindliche Trinkwasser-Versorgung in den betroffenen Ortschaften im Verdacht. Weitere Informationen zum Ausbruch sind bisher nicht verfügbar. Die Behörden weisen alle Bewohner der betroffenen Region an, Wasser nur in abgekochtem Zustand als Trinkwasser zu verwenden. Grundsätzlich gilt für Reisende, dass alle Empfehlungen der persönlichen Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene befolgt werden sollten. Bei Aktivitäten mit einem erhöhten Expositionsrisiko sollte zusätzlich eine Typhus-Impfung erwogen und durchgeführt werden (ProMED, 18. November 2008).
Typhus in UgandaIm Kasese Distrikt im Westen Ugandas sind in den letzten Wochen mehr als 100 Menschen an Typhus erkrankt und mindestens 20 Patienten verstorben. Nach Angaben der lokalen Gesundheitsbehörden ist die Zahl der Verstorbenen vermutlich noch deutlich höher, da nur ein Teil der Fälle zur Meldung gelangen. Betroffen sind in erster Linie Schüler und Studenten. Ein Grund für die hohe Zahl von Todesfällen stellt die Schwierigkeit der Diagnose dar. Typhus ist klinisch nur schwierig von der Malaria zu unterscheiden. Häufig setzt die richtige antibiotische Therapie spät ein, so dass dann ein Teil der Patienten nicht mehr zu retten ist. Die genannte Region zählt nicht zu den klassischen Reiseregionen. Reisende können evtl. aus humanitären Gründen in die Region kommen. Diese sollten alle Maßnahmen der Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene strikt befolgen und ggf. eine Typhus-Impfung vor Reiseantritt durchführen (ProMED, 18. November 2008).
Clenbuterol-Intoxikation in ChinaIn der chinesischen Stadt Jiaxing in der Provinz Zhejiang sind mehr als 70 Angestellte einer Fabrik an einer Vergiftung mit Clenbuterol erkrankt. Das in Deutschland verschreibungspflichtige Asthma-Medikament wird in China in der Schweinemast verwendet, da es den Fett-Aufbau im Tier beschleunigt und daher die Mastzeit deutlich verkürzt. Das Medikament reichert sich bei entsprechendem Genuss im Menschen an und kann zu Intoxikationen führen, die bei entsprechender Menge lebensbedrohlich sein können. Clenbuterol wird durch Kochen nicht zerstört. Die Patienten zeigten Herzklopfen, Thoraxschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Zittern und allgemeine Schwäche. Auch im Oktober dieses Jahres wurden schon mehrere Vergiftungs-Ereignisse in der Provinz Guangdong gemeldet. Reisende nach China sollten beim Genuss von Schweinefleisch in China vorsichtig sein und beim Auftreten entsprechender Symptome nach Genuss von Fleisch einen Arzt aufsuchen (ProMED, 18. November 2008).
Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber in PakistanIn der pakistanischen Provinz Punjab, im Nordosten an der Grenze zu Indien, ist ein Patient mit Verdacht auf Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Patient war mit starkem, unstillbarem Nasenbluten und Blutungen aus dem Respirationstrakt in die Benazir Bhutto-Klinik in Islamabad verlegt worden. Der Patient wies nur noch 2.000 Thrombozyten auf und fing bei geringsten Berührungen durch medizinisches Personal zu bluten an. Die ursprüngliche Verdachtsdiagnose eines Dengue Hämorrhagischen Fiebers wurde in eine Verdachtsdiagnose Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber geändert. Der Patient befindet sich in kritischem Zustand in einer Isolierstation im Krankenhaus. Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber wird durch Zecken oder infizierte Tiere (Blut, bluthaltige Sekrete) auf den Menschen übertragen. Auch nosokomiale Infektionen von Mensch zu Mensch über Blut und Blutkontakte sind häufig. Reisende in die gesamte vorder- und zentralasiatische Region sollten Maßnahmen zum Schutz vor Zecken (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 17. November 2008).
Milzbrand in SimbabweIn der Provinz North-Matabeleland in Simbabwe sind mindestens 6 Menschen am Milzbrand verstorben. Mehr als 200 Rinder sind der Seuche innerhalb kurzer Zeit erlegen. Eine Reihe von Erkrankungsfällen wird aktuell antibiotisch therapiert. Als Infektionsquelle wird der Verzehr von Fleisch erkrankter oder verstorbener Rinder genannt. Es handelt sich damit vermutlich um Darmmilzbrand. Das gesamte betroffene Gebiet wurde unter Quarantäne gesetzt. Das Vieh wird aktuell gegen Milzbrand geimpft. Nach den Veterinärbehörden sei die Lage mittlerweile unter Kontrolle. In Simbabwe werden immer wieder Ausbrüche von Milzbrand beobachtet. Reisende nach Simbabwe sollten jeden direkten Kontakt zu kranken Tieren oder Tierkadavern vermeiden und Fleisch ausschließlich in gut durchgegartem Zustand verzehren (ProMED, 17. November 2008).
Schistosomiasis in AngolaIn der angolanischen Provinz Ziare wird ein Ausbruch von Schistosomiasis beobachtet. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden sind mehr als 300 Menschen erkrankt und mindestens 9 Patienten an der Trematoden-Infektion verstorben. Es wurden keine genaueren Angaben gemacht, um welche Schistosomenart es sich handelt. Es handelt sich um die erste offizielle Meldung von Schistosomiasis-Fällen aus Angola, obwohl das Land von der WHO als endemisch für diese Infektionen eingestuft wird. Als Ursache für den Ausbruch wird die schlechte Versorgung mit sauberem Trinkwasser genannt, die die Menschen der betroffenen Region dazu zwingt, Trinkwasser aus Lagunen, Teichen oder Regenzisternen zu entnehmen, die häufig mit Schistosomen verseucht sind. Reisende nach Angola und insbesondere in die Provinz Ziare sollten jeden direkten Kontakt mit Süßwasser vermeiden (ProMED, 17. November 2008).
Rift Valley Fieber-Warnung in KeniaDie Kenianischen Veterinärbehörden haben für das Rift Valley im Nordosten des Landes eine Rift Valley Fieber-Warnung ausgegeben. In dieser Region führten starke Regenfälle in den letzten Wochen zu schweren Überschwemmungen in großen Teilen der Region. Nach entsprechend starken Niederschlägen waren in der Vergangenheit wiederholt Epidemien und Epizootien von Rift Valley Fieber aufgetreten. Rift Valley Fieber ist eine durch Stechmücken übertragene Virusinfektion. Das Virus wird in den Stechmücken transovariell übertragen. Auch eine Übertragung durch virushaltige Milch von Haustieren wird vermutet. Durch die Regenfälle können sich aus den im Boden vorhandenen Stechmücken-Eiern hohe Stechmückenpopulationen entwickeln, die das Virus ohne vorheriges Blutsaugen übertragen können. Beim Menschen manifestiert sich Rift Valley Fieber als unspezifischer fieberhafter Infekt, als hämorrhagisches Fieber, als Enzephalitis oder als Optikus-Neuritis mit der Gefahr der Erblindung. Reisende in die genannte Region sollten einen wirksamen Schutz vor Stechmücken (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen und keine rohe Milch zu sich nehmen (ProMED, 14. November 2008).
Dengue Fieber in der Dominikanischen RepublikIn der dominikanischen Provinz Monsenor Nouel werden steigende Erkrankungszahlen von Dengue Fieber registriert. Im Monat November sind schon mindestens 12 Menschen an Dengue Hämorrhagischem Fieber erkrankt. Zunehmend müssen Patienten aufgrund schwerer Verlaufsformen in Krankenhäuser in Santo Domingo oder Santiago verlegt werden. Als Ursache für den Anstieg der Dengue Fieber-Erkrankungszahlen wird eine Zunahme des Mülls in der Provinz genannt. Aktuell sind keine Müllhalden verfügbar, so dass sich alle Abfälle am Straßenrand aufhäufen. Dies bedeutet ideale Brutbedingungen für Stechmücken, die in hohen Populationen vorliegen. Reisende in die Dominikanische Republik sollten über ein erhöhtes Dengue Fieber-Risiko informiert werden und Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 18. November 2008).
Tollwut in BrasilienIm brasilianischen Bundesstaat Pernambuco hat nach angaben der Gesundheitsbehörden ein 15jähriger Junge eine Tollwut überlebt. Der Patient war von einer Fledermaus attackiert worden. Es wurde nach Angaben der Behörden lediglich eine Aktiv-Impfung mit 4 Impfungen durchgeführt. Nach Beginn einer Symptomatik 29 Tage später wurde der Junge in das Universitätsklinikum des Bundesstaats verbracht. Dort wurde eine Therapie nach dem sog. Milwaukee-Schema durchgeführt. Aktuell ist der Patient stabil und nicht mehr sediert. Aus der Nacken-Haarfollikel-Biopsie konnte der Tollwut-Verdacht virologisch bestätigt werden. Reisende nach Südamerika sollten jeden direkten Kontakt mit Tieren mit aggressivem oder auffälligem Verhalten vermeiden. Im Falle eines Kontakts solle sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei Aktivitäten mit einem besonderen Risiko eines entsprechenden Tierkontakts sollte eine präexpositionelle Impfung durchgeführt werden (ProMED, 15. November 2008).
Malaria in SüdostasienSeit einigen Jahren wird zunehmend die medizinische Bedeutung von Plasmodium knowlesi erkannt, der fünften Plasmodien-Art, die beim Menschen eine Malaria verursachen kann. Bisher wurde sie ausschließlich in Südostasien nachgewiesen. In verschiedenen Ländern der Region mehren sich die Berichte, dass der Infektion mit dieser Plasmodienart weitaus mehr Bedeutung zukommt als bisher angenommen. So wurde in Singapur jetzt ein autochthoner Fall dieser Malariaform diagnostiziert. Singapur gilt als Malaria-frei. Erkrankungs- und Todesfälle werden u.a. aus den Philippinen, aus Malaysia, und aus Thailand gemeldet. Nach den Angaben lokaler Malaria-Behandlungszentren wurde dieser Malariaerreger bisher häufig als Plasmodium malariae (Malaria quartana) fehl diagnostiziert. Diese neue Malariaform scheint eine ähnliche Pathogenität zu besitzen wie Plasmodium falciparum. Todesfälle scheinen nicht ganz selten zu sein. Patienten mit Plasmodium malariae-Hyperparasitämie aus Südostasien sollten daher wie eine Malaria tropica behandelt werden (ProMED, 17. November 2008).