KW 01 / 2010: Epidemiologische Informationen

Milzbrand in SchottlandIn Schottland sind mittlerweile zwölf Personen am Milzbrand erkrankt und davon sind sechs Patienten verstorben. Alle Patienten zählen zur Gruppe der iv-Drogenabhängigen. Mittlerweile treten Erkrankungsfälle in der Region Glasgow, in Lanarkshire, Tayside und in Forth Valley auf. Es ist von einer weiteren Ausbreitung auszugehen. Als Infektionsquelle wird kontaminiertes Heroin vermutet. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, die genaue Infektionsquelle (Heroin, Strecksubstanzen) zu identifizieren. Die schottischen Gesundheitsbehörden warnen aktuell eingehend vor dem Kauf und Gebrauch von aktuell in Schottland angebotenem Heroin (ProMED, 1./6./7. Januar 2010).
Tollwut in den USAIn den Counties Oracle und San Manuel im US-Bundesstaat Arizona ist es wiederum zu Angriffen auf Menschen durch tollwütige Tiere gekommen. Darauf wurde nun von den Behörden ein Fragetelefon für die Bevölkerung eingerichtet. Ein Mann war von einem Puma angefallen worden. Ein weiterer Mann wurde von einem Stinktier attackiert. Bei beiden Tieren wurde eine Tollwut diagnostiziert. Insgesamt wurden in diesem Jahr elf Tiere mit Tollwut im staatlichen Labor in Pinal diagnostiziert, darunter ein Puma, sieben Fledermäuse und drei Stinktiere. Die Bevölkerung und auch Reisende in den betroffenen Counties sollten jeden direkten Kontakt mit Wildtieren mit auffälligem Verhalten vermeiden und im Fall eines entsprechenden Kontakts sofort einen Arzt aufsuchen (ProMED, 2. Januar 2010).
Chikungunya-Fieber in IndonesienInnerhalb von zwei Wochen sind in der indonesischen Provinz Lampung mehr als 12.000 Menschen am Chikungunya-Fieber erkrankt. Nach Auskunft der Gesundheitsbehörden handelt es sich um den heftigsten Ausbruch und die höchsten Erkrankungszahlen der letzten zehn Jahre. Bisher traten keine Todesfälle auf, allerdings wurde das öffentliche Leben in den betroffenen Regionen stark beeinträchtigt. Viele Feiern zum Jahreswechsel wurden abgesagt und ein Teil der Arbeiter konnte aufgrund der Beschwerden nicht zur Arbeit kommen. Reisende nach Südostasien und insbesondere nach Indonesien sollten ganztägige Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchführen (ProMED, 2. Januar 2010).
Dengue-Fieber in GuadeloupeAnstelle der erwarteten H1N1-Influenza wird eine andere Virusinfektion auf der karibischen Insel Guadeloupe gesehen. Innerhalb der letzten drei Wochen kam es zu einem deutlichen Anstieg der Erkrankungsfälle an Dengue-Fieber. Betroffen sind insbesondere die nördlichen Teile Basse-Terre und Grande-Terre der Insel. Die Behörden haben nun einen Aktionsplan zur Vermeidung einer bevorstehenden Epidemie in Kraft gesetzt. Die Bevölkerung wird darin aufgefordert, Maßnahmen zur Bekämpfung von Brutplätzen von Stechmücken auszuführen sowie individuelle Maßnahmen zum Schutz vor Stechmücken (Stechmücken-Expositionsprophylaxe) durchzuführen (ProMED, 5. Januar 2010).
Dengue-Fieber in KambodschaIn Kambodscha wurde im Jahr 2009 bei den Erkrankungsfällen mit Dengue-Fieber ein Anstieg um ca. 20% im Vergleich zum Vorjahres-Vergleichszeitraum gemeldet. Insgesamt ist von mehr als 11.600 Erkrankungsfällen die Rede, gleichzeitig sank allerdings die Zahl der Todesfälle von 65 Fällen (2008) auf 36 Todesfälle im Jahr 2009. Am stärksten betroffen waren die dicht besiedelten Provinzen Kompong Cham, Kandal, Siem Reap und Kampot, sowie die Hauptstadt Phnom Penh. Über die aktuelle Situation der Dengue-Virusaktivität in Kambodscha wurden keine Informationen gegeben. Reisende sollten insbesondere in den genannten Provinzen eine ganztägige individuelle Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED, 5. Januar 2010).
Leptospirose in IrlandIn Irland werden zunehmend Fälle von Leptospirose diagnostiziert. Nun ist ein älterer Patient an der Infektion in Irland verstorben. Genauere Informationen dazu wurden allerdings nicht mitgeteilt. Als Infektionsquelle wird bei rund der Hälfte der Patienten direkter Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren angegeben. Die andere Hälfte der Erkrankungsfälle weist Kontakt zu Wasser im Rahmen von Freizeitaktivitäten (Paddeln, Rudern, Schwimmen, Triathlon) auf. Die Leptospirose ist eine bakterielle Infektion, die von Leptospiren unterschiedlicher Typen verursacht wird. Leptospiren werden von verschiedenen Tieren, v.a. Nagetieren, Schweinen, Hunden ausgeschieden und durch direkten Kontakt mit den Tierexkrementen oder durch Kontakt mit kontaminiertem Wasser übertragen. Reisende sollten grundsätzlich direkten Kontakt mit stehenden Gewässern und Tieren meiden (ProMED, 5. Januar 2010).
Arabisch Hämorrhagisches Fieber in Saudi-ArabienIm saudi-arabischen Jeddah in der Provinz Makkah sind vier Menschen an einer Infektion mit dem sog. Alkumra-Virus (auch Alkhurma-Virus) erkrankt. Das Virus ist nahe verwandt mit dem Kyasanur-Forest-Virus und dem Virus des Omsk Hämorrhagischen Fiebers. Es verursacht beim Menschen ein schweres hämorrhagisches Fieber mit einer Letalitätsrate von bis zu 25%. Die Infektion war vor zehn Jahren letztmals in der Region von Jeddah aufgetreten und seither nicht mehr nachgewiesen worden. Die Übertragung erfolgt zum einen durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Kamele, Rinder) und möglicherweise durch Vektoren (Zecken, evtl. Stechmücken). Reisende in die Stadtregion von Jeddah sollten Kontakte zu Tieren möglichst vermeiden und ggf. eine Zecken- und Stechmücken-Expositionsprophylaxe durchführen (ProMED; 6. Januar 2009).
Malaria in KeniaAm Mount Kenya im ostafrikanischen Kenia hat sich die Zahl der Malariaerkrankten in den letzten 20 Jahren versiebenfacht. Als Ursache wird die Erwärmung genannt, die zu einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur im kenianischen Hochland um 2°C führte. Damit werden jetzt Anopheles-Mücken auch noch in einer Höhe bis zu 1.900 m als Überträger von Plasmodium falciparum nachgewiesen. Insgesamt sind nach Forscherangeben etwa vier Millionen Menschen zusätzlich von Malaria tropica bedroht. Reisende an den Mount Kenya müssen sich darauf einstellen, dass Malaria bis in eine Höhe von 2.000 m übertragen wird. Damit müssen bis in diese Höhe prophylaktische Maßnahmen durchgeführt werden (ProMED, 6. Januar 2010).
Mumps in IsraelIm letzten Viertel des Jahres 2009 sind in Israel mehr als 250 Menschen an Mumps erkrankt. Bei den erkrankten Personen handelte es sich überwiegend um jugendliche und erwachsene Männer. Als Infektionsumgebung konnten Yeshiva-Schulen identifiziert werden. Insgesamt sind rund 60 Schulen in und um Jerusalem betroffen. Die Virusinfektion breitet sich jedoch mittlerweile in Schulen in anderen Landesteilen aus. Auffällig ist, dass der überwiegende Teil der erkrankten Jugendlichen zwei Impfungen gegen Mumps erhalten hatte. Nur etwa ein Fünftel der Erkrankten hatten keine Mumps-Impfung im Kleinkindesalter verabreicht bekommen. Die Experten rätseln nun, ob der Impfschutz rascher verschwindet als bisher gedacht, ob der Impfstoff von schlechter Qualität war oder der Impfstoff falsch gehandhabt wurde. Die Mumps-Komponente gilt als sehr temperaturempfindlich, so dass eine kurzzeitige Erwärmung schon zum Verlust der Aktivität führen kann. Reisende nach Israel sollten einen Immunschutz gegen Mumps aufweisen, insbesondere wenn enge Kontakte zur Bevölkerung geplant sind (ProMED, 7. Januar 2010).
Fledermaus-Tollwut in AustralienIm australischen Queensland sind drei Australier im Verlauf eines Urlaubsaufenthalts an der Küste von einem Flughund angegriffen und verletzt worden. Einer der attackierten Personen konnte das Tier töten. Nachfolgende Untersuchungen zeigten, dass der Flughund mit dem sog. Australischen Fledermaus-Tollwutvirus infiziert worden war. Es wurde nun sofort mit einer aktiv-passiven Postexpositionsprophylaxe begonnen. Das australische Fledermaus-Tollwutvirus stellt eine eigene Art von Tollwutvirus dar. Allerdings scheinen der üblicherweise verwendete Impfstoff und humanes Tollwut-Hyperimmunserum vor der Infektion zu schützen. Bisher sind nur zwei menschliche Infektionen mit dem australischen Fledermaus-Tollwutvirus aufgetreten. Australien gilt als frei von terrestrischer Tollwut. Allerdings können Flughunde ein entsprechendes Virus übertragen. Reisende sollten jeglichen Kontakt mit Flughunden vermeiden und bei entsprechendem direkten Kontakt sofort eine Arzt aufsuchen (ProMED; 7. Januar 2009).
Malaria in SüdafrikaIn der im Norden Südafrikas gelegenen Provinz Limpopo sind seit Beginn der diesjährigen Regenzeit bereits fast 1.000 Menschen an Malaria erkrankt. Dies bedeutet einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. In den letzten Jahren konnte eine deutliche Ausdehnung der Verbreitungsgebiete der Malaria tropica vom Krüger-Nationalpark aus nach Westen in die Provinz Limpopo registriert werden. Experten rechnen mit weiterhin ansteigenden Erkrankungszahlen. Reisende in den Krüger-Nationalpark und die daran angrenzenden Regionen sollten eine Malariaprophylaxe nach den Empfehlungen der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft durchführen (ProMED; 7. Januar 2010).
Melamin-Kontamination in ChinaIm chinesischen Schanghai sind die Behörden wiederum einem Nahrungsmittelskandal auf die Spur gekommen. In Milchprodukten einer Schanghaier Firma konnten Mengen von Melamin nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um eine künstliche Substanz mit einem hohen Anteil von Stickstoff, so dass ähnliche Stickstoffmengen wie bei Aminosäuren entstehen. Melamin ist schlecht wasserlöslich und kann daher nur schwer über die Nieren ausgeschieden werden und verursacht Nierenschäden. Schon im Jahr 2008 waren rund 300.000 Säuglinge durch entsprechend kontaminierte Milch vergiftet worden, 6 Säuglinge verstarben an der Vergiftung. Reisende in die Region Schanghai sollten Milchprodukte der Fa. Schanghai Panda Diary Co. Meiden (ProMED, 6. Januar 2010).
Gelbfieber in GuineaIm westafrikanischen Land Guinea treten an der Grenze zur Elfenbeinküste Gelbfieber-Erkrankungsfälle auf. Es handelt sich um eine Ausbreitung des augenblicklich in der Elfenbeinküste stattfindenden Ausbruchs über die Grenze nach Guinea. Aktuell ist von einem gesicherten Erkrankungsfall und sechs Verdachtsfällen die Rede, die in zwei Distrikten Guineas auftreten. Reisende nach Guinea müssen eine gültige Gelbfieber-Impfung bei der Einreise vorweisen (ProMED, 7. Januar 2010).
Tollwut in PeruIm peruanischen Distrikt Nieva im Amazonas-Tiefland sind sieben Kinder unter Symptomen von Tollwut verstorben. Die Behörden gehen von sog. Vampir-Tollwut aus. Dabei wird das Tollwut-Virus durch eine Blut-Leckende Fledermausart (Desmodus rotundus) auf Tiere und ggf. auch auf den Menschen übertragen. Menschliche Infektionen werden dann beobachtet, wenn Menschen im Freien schlafen und keine anderen Weidetiere in ausreichender Menge für die Fledermäuse vorhanden sind. Das Blut-Lecken erfolgt während der Nacht und wird meist nicht bemerkt. Reisende nach Südamerika sollten in Gebieten mit Vampir-Fledermäusen möglichst nicht im Freien übernachten (ProMED, 7. Januar 2010).
Hepatitis C in ChinaIn einem Krankenhaus in der chinesischen Provinz Anhui sind rund die Hälfte von 77 Dialyse-Patienten mit Hepatitis C infiziert. Nach den Angaben des Krankenhauses wurden von 39 Hepatitis C positiven Dialysepatienten 15 Patienten durch Behandlungsmaßnahmen im Krankenhaus infiziert. Dies ist wiederum ein Beispiel, dass in verschiedenen Ländern die medizinischen Standards für die Behandlung und Therapie von Patienten nicht den Standards industrialisierter Länder entsprechen. Reisende sollten daher möglichst Aktivitäten mit dem Risiko von Krankenhausaufenthalten vermeiden (ProMED, 7. Januar 2010).